Immer noch das mit den Lampen. Und Fußball.

Die Faszination des Herrn Baby für Lampen ist immer noch nicht abgerissen. Was in Anbetracht der wenigen vergangenen Tage nicht verwundern sollte, aber Zeit ist gerade ohnehin eine sehr relative Größe. Der Kleine entwickelt sich derart rasant, dass man als Erwachsener staunend daneben steht und über all die neuen Interessen oder Geräusche, die das Baby gerade so mitbringt, vergisst, dass es noch nicht einmal zwei Monate sind, die dieser Zwerg nun diesen Planeten bevölkert.

 Hier mal leise und desinteressiert: Herr Baby. Quelle: Sash

Hier mal leise und desinteressiert: Herr Baby. Quelle: Sash

Man hat das Gefühl, dass das alles gar nicht in so wenig Zeit passt. Davon, wie aufregend das für ein Kind ist, für das ja noch weit mehr Neues passiert, will man sich gar nicht ausmalen. Wir kriegen ja höchstens mit, wie er vor Aufregung nicht schlafen kann. Und selbst das ist bisweilen schwer von Bauchweh zu unterscheiden.

Wie gesagt: Lampen (in allen Zimmern) stehen immer noch weit oben auf der Liste von Dingen, die Herrn Baby so sehr interessieren, dass er erkennbar Kontakt mit ihnen aufnehmen will.

Entsprechend hatten wir fast schon sowas wie Bedenken, als wir nun angefangen haben, ein paar Spiele der Fußball-WM zu gucken. Denn ja, natürlich kriegt der Zwerg gerade auch viele Medieneindrücke nebenbei mit, aber dass Papa und Mama mal wirklich über eine Stunde lang vor einem so großen Bildschirm sitzen, ist wieder eines dieser ganz neuen Dinge. Wir sehen sonst ja kaum fern, und wenn dann Serien am PC, nur nebenher und ganz oft sogar so, dass er allenfalls ein wenig Ton mitbekommt. Ebenso wie wenn er mich schlafend beim Zocken begleitet.

Die Bedenken waren unbegründet. Der große Fernseher ist entweder nicht interessant oder aber viel zu überfordernd. Was schlimm wäre, wenn Herr Baby dieses Problem nicht sehr elegant mit Ignoranz lösen würde. Während wir also das Geschehen dort verfolgen, schaut der Kleine aktiv und offensichtlich sehr glücklich direkt daran vorbei zur Lampe, oder - ganz neu - zum Farbübergang zwischen der grünen Wohnzimmerwand und der weißen Decke. Findet er spitze. Wie im Übrigen auch Türrahmen.

Bin ja schon gespannt, was passiert, wenn er mal merkt, dass sein Kinderzimmer mit Punkten übersäht ist. :D

Gärten der Welt 1

Ich hätte über die Gärten der Welt schon vorletzte Woche schreiben können, denn da hab ich es das erste Mal überhaupt dorthin geschafft. Jetzt halt heute, wo wir das zweite Mal da waren - weil wir inzwischen eine Jahreskarte haben.

Ja, ich weiß, das ist jetzt etwas schnell eskaliert. Fangen wir von vorne an. Die Gärten der Welt sind so in etwa der Eiffelturm Marzahns: Das Motiv, das alle hervorkramen, wenn es mal darum geht, irgendwas nicht negativ darzustellen. Folglich nutzen es vor allem Politiker und Vermieter.

 Der Kontrast zur Umgebung ist ein Highlight für sich. Quelle: Sash

Der Kontrast zur Umgebung ist ein Highlight für sich. Quelle: Sash

Obwohl der Bezirk bei weitem nicht nur eine nette Ecke hat, sind die Gärten halt eine andere Größenordnung. Letztes Jahr zur IGA umgestaltet, aber auch davor schon weit überregional bekannt. Hat uns jetzt 10 Jahre trotzdem nur so mäßig interessiert, weil es halt einfach Gärten waren. Ohne Option zum Gemüseanbau. Was soll das?

 Ein eher lauter Garten. Quelle: Sash

Ein eher lauter Garten. Quelle: Sash

Nun hat aber natürlich mit Herrn Baby ein neuer Spieler die Arena betreten, was dann zum Beispiel dazu führte, dass auch sein Opa mal einen Abstecher nach Berlin gemacht hat ... und was macht man mit Rentnern, die nicht mehr so gut zu Fuß sind?

Naja, unser Plan war irgendwas mit Blumen, dann in eine Seilbahn setzen und zack - Bier!

 Vogelkäfig made in China. Quelle: Sash

Vogelkäfig made in China. Quelle: Sash

So viel sei gesagt: Das hat in den Gärten der Welt funktioniert, wenngleich man das Bier besser selbst mitbringt, so rein preislich.

Naja, vor allem stellt man dann aber auch fest, dass das zum einen wirklich nicht die hässlichsten Gärten sind, sie sich aber zudem ehrlich verdammt gut zum Ausruhen eignen. Und das ist mit einem Minimenschen ja auch ein Wert an sich. Also haben wir nach unserem ersten Besuch beschlossen, uns eine Jahreskarte zu machen und schnell wiederzukommen.

 3 Autos auf 200m²: "Los Angeles Garden" gibt sich authentisch. Quelle: Sash

3 Autos auf 200m²: "Los Angeles Garden" gibt sich authentisch. Quelle: Sash

Das war dann heute. Und abgesehen davon, dass wir uns einen Haufen leckere Snacks gekauft haben, um die dann mitsamt dem kompletten Rucksack zu Hause stehen zu lassen, war es super. Insbesondere, weil wir dann ja eine Notfall-Currywurst inhalieren mussten.

 Ersatzfrühstück. Ganz furchtbar. ;) Quelle: Sash

Ersatzfrühstück. Ganz furchtbar. ;) Quelle: Sash

Es war zwar nicht so heiß wie vor anderthalb Wochen, wir mussten den Wasserspielplatz nicht wirklich in Anspruch nehmen, um heil wieder zum Ausgang zu finden, aber ein bisschen rumchillen ging dann doch:

 Unterschiedliche Müdigkeitsstadien anschaulich illustriert. Quelle: Sash

Unterschiedliche Müdigkeitsstadien anschaulich illustriert. Quelle: Sash

Da sich das mit der Jahreskarte so derb anhört: Der Park hat einen recht gepfefferten Tages-Eintrittspreis von 7,00 Euro pro Person. Die Jahreskarte im Abo kostet 20,00. Wenn man nur 10 Minuten dorthin braucht und denkt, man würde gerne wiederkommen, ist das nicht wirklich eine schwere Entscheidung. Und man kann dort auf fast allen Wiesen picknicken, es stehen sogar haufenweise Stühle und Tische rum. Man kann es sich da ernsthaft gut gehen lassen.

Und deswegen die 1 im Titel. Wir werden wiederkommen.

 Zum Abschluss ein Baum. Quelle: Sash

Zum Abschluss ein Baum. Quelle: Sash

Lampenfieber

Ein bisschen komisch sind Babys ja schon. Was einerseits daran liegt, dass sie von alleine nicht übers Lenkrad gucken können, andererseits natürlich auch an ihrer noch leicht defizitären Zurechnungsfähigkeit verglichen mit anderen Pflanzen.

Unser kleiner Herr Baby fährt die letzten Tage zum Beispiel voll auf Deckenlampen ab und wir haben keine Ahnung warum. Nur noch eine gewisse Angst, dass er irgendwann vor glücklichem Glucksen platzt, denn er gerät da ziemlich in Stimmung. Beim Anblick von Deckenlampen ...

Und mit Deckenlampen meine ich Deckenlampen:

 Glückslampi, Quelle: Sash

Glückslampi, Quelle: Sash

Das Bild oben zeigt genau das was Herrn Baby so zufrieden macht - aus seinem Blickwinkel von meinem Bett aus: Eine vielleicht acht Euro teure und ähnlich viele Jahre alte Lampe von Ikea, unsauber aufgehängt, staubig, unangeschaltet und dank der Jalousien vor dem Fenster in unästhetischem Halbdunkelherumhängend. Mehr oder minder ein Verhütungsmittel, wenn man's so offensichtlich im Schlafzimmer anbringt.*

Doch das Kind liegt da, lächelt, zappelt und strampelt und versucht in jeder Minute, in der Mama und Papa sich was anderem zuwenden, mit dem ominösen Deckengott zu "sprechen". Und bei allem Wissen darüber, dass Babys ein Zeitgefühl haben, das dem eines Farns nur unwesentlich voraus ist: Wenn so ein kleiner Mensch das mal mehr als eine halbe Stunde lang und bei mehr als nur einer Lampe macht, lässt einen schon aufhorchen. Vielleicht ist ja doch was dran an der Theorie, dass er ein Außerirdischer ist, der telepathisch mit seinen Artgenossen in Verbindung tritt, um sich über die Betreuungssituation auf diesem Planeten zu beschweren.

Oder er hat eine neue Definition des Wortes Lampenfieber erfunden. Im Erfinden von neuen Dingen sind Babys ja auch nicht schlecht.

 

*Jaja, die Lampe gab's vor Herrn Baby und sie hängt über meinem Bett. Ihr seid aber auch wieder kleinlich heute, damn!

Babyspeck

Dass der kleine Herr Baby gerade jeden Tag einen sechstel seines Körpergewichtes in Milch wegschlabbert und entsprechent zulegt, war nicht nur zu erwarten, sondern ist außerordentlich erwünscht. Angeblich sollen ja auch meine zwei Meter mal aus so einem Wurm hervorgegangen sein. Womit ich aber nicht wirklich gerechnet hatte, war, vor ein paar Tagen mal wieder auf die mehr oder weniger Monate im Winterschlaf befindliche Waage zu steigen und knappe 5 kg extra auf den Rippen vorzufinden.

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OK, zugegeben: überraschend war es wohl vor allem, weil ich absichtlich nicht darüber nachgedacht habe. Oder weil ich vielleicht etwas großzügig abschätze, wie viele Kalorien die tägliche Hausarbeit so frisst, die ich gerade extra mache.

Ich meine: Wieso heißen sie Minutensteaks, wenn man während des Putzens nicht jede Minute eines davon essen kann? Da sollte man mal wegen Irreführung der Verbaucher ein Auge drauf haben.

Aber im Ernst: Ich bin gerade locker vier Stunden extra wach, habe mein altes lethargisches Ich quasi komplett zur Seite gekickt und spare zudem noch etliche Bier an diversen Wochenenden ein. Trotzdem ist es so wie es ist.

Aber natürlich liegt die Erklärung nicht wirklich fern. Physik und Chemie lassen sich nicht betrügen, egal, was einem windige Ratgeberschreiber erzählen. Wir essen hier einfach gerade sehr gut und gerne und das liegt vor allem an mir.

 

 Man kriegt halt doch alle 15 Fischstäbchen in eine 24cm-Pfanne!

Man kriegt halt doch alle 15 Fischstäbchen in eine 24cm-Pfanne!

In den letzten vielleicht sechs Monaten hab ich mich hier zum Küchenchef aufgeschwungen und mehr und mehr alleine gekocht. Was sinnvoll war, denn Ozie war ihrerseits damit beschäftigt, den Alien auszubrüten, den wir nun alle als Herr Baby kennen.

Natürlich stand am Ende viel gesundes auf der Speisekarte, aber es lässt sich eben auch nicht verleugnen, dass es oft zweckdienlich der Energiezufuhr diente, was ich da brutzeln oder garen ließ.

Und  natürlich hab ich mitgegessen. So selbstlos bin ich dann halt auch nicht.

Darüber hinaus kam dann auch noch der Familienbesuch, der etliche Restaurantbesuche nach such zog. Ich könnte mich jetzt darüber ärgern, mehr als Herr Baby an Gewicht zugelegt zu haben. Weil unerwünscht und so. Aber man wird halt auch nicht ständig Vater, irgendwo muss man sich seine Ausnahmen ja auch herholen. Und der Herr Baby ist eine verdammt niedliche Ausnahme.

Falls das wer bezweifelt ...

Bitte:

 Skeptisch essen, Symbolbild.

Skeptisch essen, Symbolbild.

Und ich liege ja ohnehin schon weit unter dem, was ich vor ein paar Monaten/Jahren hatte ... also ist chillen eh mal die beste angesagte Reaktion. :D

Durchgecheckter Knirps

Die U3-Untersuchung war vor zwei Tagen dann der Auftakt für 100 ähnliche Termine: Besuch bei der Kinderärztin. Als einer der wenigen immerhin mit einem gesunden Knirps.

Wir hatten uns anfangs wegen des Ärztemangels durchaus Sorgen gemacht und sind tatsächlich bei Praxis Nummer 1 auf der Liste nicht weitergekommen, aber da es nun Nummer 2 geworden ist, wäre es infam, da von größeren Schwierigkeiten zu schwadronieren.

Dass wir dann jedoch rausgehen würden mit einem bereits leicht elterlich-senilen "Ui, wer hat denn da die beste Kinderärztin der Welt?*", das hatten wir uns nicht ausgemalt.

 Photo by  Hush Naidoo  on  Unsplash

Photo by Hush Naidoo on Unsplash

Natürlich, eine gewisse Freundlichkeit und Empathie setzt man voraus, wenn man selbst bemüht ist, diese Eigenschaften nicht vor dem Rest der Menschheit zu verstecken, aber es war zum Beispiel toll zu merken, wie absolut vorsichtig sie angefangen hat, uns Dinge zu erklären, für den Fall, dass wir von Tuten und Blasen gar keine Ahnung und den Herrn Baby gestern zufällig von Amazon geschickt bekommen hätten, dann aber durchaus das Tempo angepasst und sogar gemerkt hat, dass wir vor ein paar medizinischen Fachbegriffen nicht gleich wegrennen.

Und was man keine 10 Kilometer vom nächsten Selbstausrottungskult entfernt natürlich nicht geringschätzen darf:

"Noch eine Kleinigkeit zum Thema Impfen: Wir impfen hier nach den Vorgaben der STIKO**, wenn Sie da also eine andere Einstellung haben, dann sind wir nicht die geeignete Praxis für Sie ..."

Da rutschte ja mir auch als Atheist fast ein "Halleluja!" raus.

Als Ergebnis bleibt im Wesentlichen, dass es dem Kleinen blendend geht und es bisher nicht so aussieht, als bräuchte er irgendwo eine Hilfestellung. Was schon erstaunlich ist, denn zum Beispiel Objekten mit den Augen folgen ... das war jetzt nicht unbedingt seine Stärke bis letzte Woche und es scheiterte erkennbar an der Definition von Objekten. Aber inzwischen guckt er uns viel zu oft  zu. Bald kann er selber Blödsinn ins Internet schreiben, ich seh's schon kommen!

Nur den zugehörigen Hüft-Ultraschall mussten wir auslagern, das können sie vor Ort nicht machen. Aber irgendwas ist ja immer. Mit Krankwerden dürfte sich der Herr Baby jetzt trotzdem noch ein Weilchen Zeit lassen. Ist ja klar.

* das ist natürlich eigentlich Gotteslästerung, wenn man den Kinderdok schon persönlich kennenlernen konnte. ;)

** wieso schreibt sich STIKO nicht StIKo? Ich bin maximalst empört!

Das mit dem Nabel

Wenn man das erste Kind bekommt, ist man ja ohnehin umfangen von esoterischem Nonsens. Viele völlig normale biologische Prozesse werden mit Bullshit-Vokabular versehen und zudem nett umschrieben.

Wie z.B. das so grob mit der Nabelschnur ist, haben wir alle mal im Biologie-Unterricht gelernt. Aber wenn man sich dann mal anschickt, das live zu erleben, erfährt man im Wesentlichen nur, dass es heute gerne den Vätern vorbehalten wird, die Nabelschnur zu durchtrennen. Weil das total hilfreich für Bindung und Beziehung sein soll, etc. pp.

Ist ja auch richtig und ok.

Aber dann hat man plötzlich eine ungeplante Kaiserschnitt-OP, alles ist ein wenig hektisch und am Ende bekommt man phne Gebrauchsanleitung ein Baby ausgehändigt, an dem ein Stück Nabelschnur hängt, das einfach nur abgeklemmt ist. Und weil das noch nicht seltsam genug ist, wird einem eventuell auch nichts weiter dazu gesagt und das Ding fault mit der Zeit einfach ab.

Das mag einen nicht unbedingt beunruhigen, denn man hat ja damals im Unterricht und ggf. bei diversen Kursen aufgepasst. Aber ein Baby daliegen zu haben, das man nicht am Bauch streicheln kann und das gerade eine Art Werbekampagne für Nekrosen fährt, ist halt auch nur so mittel.

Wir haben im Vorfeld viel gelesen und wir wussten durch all die Ärzte und Hebammen zu jeder Zeit, dass das so wie es ist in Ordnung ist. Der Herr Baby hat sich überhaupt nicht dran gestört und am Ende ist alles genau so abgestorben, wie es absterben sollte. Also die Nabelschnur, ohne das Baby im Ganzen. Aber ja, es färbt sich eklig-schwarz und fällt irgendwann ab.

Ich will nicht einmal sagen, dass das irgendwie schlimm war, aber wir sehen das durchaus als ein Symptom einer ziemlich abgefuckten Geschichte: Dass Schwangerschaften und Geburten auch heute noch unnötig mystifiziert und schöngeredet werden, dass das alles nur rosagoldgelbes Knuffelschnuffel sein soll.

Dank den Hormonen stimmt das für die meisten Eltern ja in Teilen auch, aber trotzdem ist all das auch ein aufwändiger biologischer Prozess, der halt nicht ohne Schmerzen, Schleim und Showeffekte auskommt. Da stirbt halt mal auch was ab.

Eigentlich hoffe ich, dass es für diesen Text keine Zielgruppe mehr gibt. Wir haben 2018, inzwischen interessieren sich die Väter für die Kinder und Frauen dürfen sogar gelegentlich sagen, wenn ihnen was wehtut. Aber selbst wir zwei hier haben uns bei der Nabelgeschichte erwischt gefühlt, waren verunsichert und sehen rückblickend eigentlich nicht ein, warum das so sein musste. Deswegen der Eintrag hier.

Und bevor sich jemand sorgt: Der Herr Baby hat inzwischen selbst die letzten Schorfreste im Nabel hinter sich gelassen, lässt sich am Bauch streicheln und gluckst gelegentlich sogar dabei.

Alles rosagoldgelbes Knuffelschnuffel also.

Sash, 36, Windelshooter

Vor ein paar Stunden ist unser kleiner neuer Mitbewohner vier Wochen alt geworden. Und vor diese Zahl ließen sich sowohl ein "erst" als auch ein "schon" setzen. Es fühlt sich an, als sei er schon ewig hier - gleichzeitig aber ist das alles noch so neu und mein Herz zerreisst immer noch jedes Mal, wenn er irgendwas völlig belangloses macht und ich hab das Gefühl, so was tolles habe der Kleine noch nie getan. Hormone sind beeindruckend gut in dem was sie tun.

Dank Elternzeit passiert hier jenseits des Kleinen bisher nicht viel. Ich kann selber kaum glauben, wie wenig mir meine Arbeit fehlt. Andererseits ist das Problem mit der berühmten auf den Kopf fallenden Decke natürlich real. Ich gehe inzwischen gerne einkaufen, zur Packstation und hey, haben wir nicht noch was bei der Post liegen?

Das ist keine Einbahnstraße, man kann jede Sekunde mit einem Baby mehr lieben als alles auf der Welt und sich trotzdem hier und da einfach mal weit weg wünschen. Ich denke, es ist wichtig, das zu akzeptieren, ohne sich schlecht zu fühlen. Natürlich bin ich gerade zu 150% Papa, aber was ist mit den anderen 150%, die einen ausmachen, obwohl man jetzt ein Kind hat?

Verurteilt mich nicht vorschnell, ich war in Mathe wirklich so schlecht!

 Der Herr Baby in Kampflaune, Quelle: Sash

Der Herr Baby in Kampflaune, Quelle: Sash

Um ganz ehrlich zu sein: Schon nach dieser kurzen Zeit wünsche ich mir sehr, mal mit Nicht-Eltern einen Abend wegzugehen, was zu trinken und das neue Leben neu aber nicht allgegenwärtig sein zu lassen. Während ich gleichzeitig nach nur drei Stunden Schlaf sofort das kleine Gesichtchen unseres Neubürgers suche und ihn keine Sekunde mehr missen möchte.

Als Lösung für dieses Paradoxon haben er und ich eine vertretbare Lösung gefunden: Far Cry 5. Im Ernst.

Ich finde allgemein, dass Computerspiele unterbewertet werden, was ihren gesellschaftlichen Wert jenseits von Kunst- und Killerspiel-Debatte anbelangt, aber derzeit habe ich wirklich Freude daran, mir die Zeit, die ich mehr oder minder notgedrungen zu Hause verbringe, mit Spielen zu vertreiben.

 Far Cry 5, Quelle: Ubisoft

Far Cry 5, Quelle: Ubisoft

Ich habe den kleinen Herrn Baby derzeit meist mehrere Stunden pro Nacht bei mir, damit Ozie auch ein bisschen Schlaf bekommt. Meist schläft er selbst dabei auch, das ist ja klar. Arg viel mehr machen Babys ja eigentlich nicht, wenn sie nicht gerade ein dringendes Problem haben. Und während dieser Zeit zocke ich. Am Anfang war es noch der drölfte Durchgang von GTA V, dann hab ich Far Cry 3 ein zweites  Mal durchgespielt und Far Cry 4 erneut gestartet ... und dann hab ich's nicht mehr ausgehalten und mir Far Cry 5 gekauft.

Natürlich hätte ich gerade besseres zu tun und auch Geld für sinnvollere Dinge auszugeben, aber ich möchte anmerken, dass sich auch für Babys sehr kontraproduktive schlechte Laune nicht wegzaubern lässt, Hormone hin oder her.

Und mit zwei nicht zelebrierten Kneipenabenden ist so ein Spiel dann ja doch sehr schnell wieder drin. Wenn man denn für die paar Euro zwei Abende bräuchte. ;)

Und so könnte man uns zwei nachts um vier Uhr erwischen, wie ich gepflegt ein paar Kultisten wegnatze, während der Kleine schläft. Hier und da steht dann natürlich mal Windelwechseln oder Fläschchengeben an, aber  was ist das schon, wenn man eben drei Hirsche gehäutet und zwei Trucks geplündert hat?

Und im Gegensatz zu meinem jetztigen Tastaturgeklapper kann der Kleine M60-Sperrfeuer erstaunlich gut ab. Nur Scharfschützengewehre ohne Schalldämper mag er nicht so. Aber ich wäre kein guter Vater, wenn ich für den Knirps nicht meine Eroberungstaktiken anpassen würde, nicht wahr?