Falschmetaphern

Fahrerjobs bringen viele ganz eigene Probleme mit sich und eines davon ist, dass die Innenstädte zugeparkt sind und man als Lieferant wirklich ständig zum Falschparken gezwungen wird. Ich hasse diese drastische Ausdrucksweise, denn natürlich gibt es immer irgendwo eine Haltemöglichkeit, aber wenn man schwer zu tragen hat oder halbwegs flink sein muss, um alle Lieferungen loszuwerden, dann verbietet sich eine Parkplatzsuche in großem Umkreis.

Viele Läden haben keine Laderampe mehr im Hinterhof, sondern sind in Fußgängerzonen und Einkaufszentren untergebracht, bei denen meistens eine Parkraumbewirtschaftung stattfindet und man im näheren Umkreis gar keinen Halteplatz mehr findet. Und von den Kundenadressen will man an der Stelle gar nicht anfangen zu reden, hier in meinem Nebenjob-Arbeitsgebiet (wo es eigentlich meist recht ok ist) finden sich auch dutzendweise ganze Blocks, bei denen sämtliche Parkplätze an Anwohner vermietet sind.

 Kreatives Parken, hier in Stuttgart 2003. Quelle: Sash

Kreatives Parken, hier in Stuttgart 2003. Quelle: Sash

Vielfach finde ich in meinem Säbelzahnhamster-Verteilgebiet eine Möglichkeit und die Eile hält sich sehr in Grenzen, aber schwerer wird’s gerne mal. Insbesondere bei den Händleradressen. Eine, die Hauptfiliale, bei der ich einmal am Tag aufschlagen muss, ist so ein Fall. Ein großes Einkaufszentrum, oft null freie Parkplätze und großflächige Absperrungen der Plätze drum herum. Einzig eine kleine Auffahrt, die die Markthändler nutzen dürfen, bietet uns vier Fahrern etwas Platz und der Eingang ist nur 40 Meter entfernt. Mit den Marktstandbetreibern ist abgesprochen, wie wir am Markttag halten, um sie nicht zu behindern, ansonsten müssen halt während der kurzen Zeit, die jeder von uns dort hält, etwa dreißig Leute ums Auto rumgehen. Und nein, eng ist es da in keine Richtung. Wie gesagt: Am Markttag fahren da die Sprinter mit ihren Quarkkeulchen-Anhängern an uns vorbei. Aber erlaubt ist es halt auch nicht und das teilte mir der Polizeibeamte, der mir gestern umgehend gefolgt war, auch gleich mit:

“Sie haben die Fahrbahn verlassen!”

Ich weiß, wann ich ertappt bin und ich hab in dem Moment nicht die Chance gesehen, ihn aus meinem Dienstwagen hinaus mit einem “Ui, das hab ich nicht gesehen!” zu besänftigen. Also hab ich gesagt wie’s ist:

“Sorry, ich muss die Kisten da in den Laden bringen und es gibt keine bessere Option. Wir machen das immer.”

Das kann nach hinten losgehen, es ist selten eine gute Idee, sich gleich als Intensivtäter zu outen, noch bevor sie eine Akte haben, aber Menschenkenntnis und so …

Gut, das erhoffte Mitleid seinerseits habe ich nicht bekommen, aber er glaubte, in mir einen guten Zuhörer und noch erziehbaren Verkehrsteilnehmer zu sehen. Und hat sich dann bei seiner Erziehungsmaßnahme etwas verhaspelt, als er sagte:

“Wir machen das immer so ist aber nie ein gutes Argument! Wenn ich jetzt sage, ich springe immer von der Brücke, dann bringt ihnen das nämlich gar nix!”

Und ich bin ernst geblieben, damit es nicht mehr als nur die Verwarnung gibt. Aber natürlich ist mir die ganze Zeit durch den Kopf geschossen, dass mir wirklich nix besseres passieren könnte, als dass der Polizist, der sich gerade anschickt, mir einen Strafzettel auszustellen, lieber hobbymäßig von der nächsten Brücke springt.

Ich sag es wie es ist: Ich werde mich diese Woche nicht mehr dort sehen lassen in der Fußgängerzone und sie dann wieder ganz normal anfahren. Ich hab mir die Situation dort nicht ausgesucht und wäre über eine andere Lösung froh, aber inzwischen hat mir das Halten dort so viel Stress erspart (und anderen keinen gemacht), dass ich im Zweifelsfall halt die paar Euro “Sondernutzungsgebühr” bezahlen werde.

Woche 15

Endlich mal ein bisschen weniger Hitze. Schreibe ich jetzt, wo die Temperaturen schon wieder anziehen. Aber letzte Woche war es ausnahmsweise mal wieder ein Weilchen ok. Klar, gestartet ist sie auch mit Hitze, aber das war ja selbst ich inzwischen fast schon gewöhnt.

Eigentlich hat die Woche viel eher unschön angefangen für mich, weil ich mich ein wenig unglücklich am Fuß verletzt habe. Als ich und das Internet noch etwas jünger waren, hat die halbe Welt über den Chat bei germanbash.org gelacht, wo sich ein Typ eine Nudel im Bad eingetreten hat - ich hab das mit einer kleinen Fuge und einem Kürbiskern in Ozies Zimmer hinbekommen. Aua, sehr aua. Und Blut, Saw 12 quasi. Zum Glück hatten wir dann Ablenkung:

Dienstag hatten wir dann schon den nächsten Kinderarzttermin mit Herrn Baby und den hat er mit extrem bewundernswerter Routine überstanden. Selbst die Impfung dieses Mal war großartig. Er hat zwar wie letztes Mal zu einem Heulkonzert angesetzt, war dann aber in dem Moment, in dem ich ihn auf meine Schulter gehievt habe, ruhig. Und isses geblieben. Wow! Danach haben Ozie und ich uns die selten unclevere Challenge gegeben, bei irgendwas um die drölf Millionen Grad einfach nach Hause zu laufen. Hat aber echt Laune gemacht und unsere Sonnenbränder (?) auch nur minimal verschlimmert.

Tatsächlich hat das Wetter dann doch angefangen, extrem auf die Stimmung zu schlagen, insbesondere weil das erlösende Gewitter einfach immer weiter und weiter nach hinten verschoben hat. Egal ob wir frühe Zahnarzttermine oder späte Krankengymnastiktermine unser Eigen nannten: Es war eigentlich immer zu warm. Aber was will man machen?

Die Krankengymnastik ist damit übrigens vorbei und alle Beteiligten waren sich einig, dass das gut so ist. Herr Baby ist nämlich derzeit alles andere als spät dran mit den Dingen, die er tut. Inzwischen kann er sich auf den Bauch rollen, das hätte gerne noch zwei Monate warten können, denn eigentlich mag er es nicht, auf dem Bauch zu liegen und kann auf der Seite auch nicht arg viel machen.

Nicht damit im Zusammenhang steht seine teils erschreckend gering ausgeprägte Müdigkeit. Wir haben ja das große Glück, dass er manchmal nur einen Boxenstopp zwischen 23 und 8 Uhr braucht - trotzdem macht er auch seine zwei bis zwölf Nickerchen zwischen den ungeplanten Bauchplatschereinlagen. Und während es draußen endlich ein wenig abgekühlt ist, hat er es geschafft, den Freitag über so gut wie gar nicht zu schlafen. Selbst das schlafspuckende Monster namens Kinderwagen hat er überstanden. Aber ja, irgendwann geben sie alle auf. ;)

Ausklingen lassen haben wir die Woche dann mit dem gemütlichen Einkauf von einem riesigen Sack Kartoffeln (Jetzt ist Kartoffelwoche, yeah! \o/) und noch viel wichtiger: Wir haben angefangen, die zwei Staffeln "Orange is the new Black" aufzuholen, die wir inzwischen hinterher sind. Sehr sehr gemütliche Sommerwoche soweit. I like.

Nicht die Bohne!

Ja, es geht hier tatsächlich um Bohnen. Bohnen sind toll, zumindest bin ich mir sicher, dass mir die Wikipedia da einige interessante Infos über die Nährstoffgehalte (Gehälter?) ausspucken würde, wenn ich sie mit anderem Gemüse, beispielsweise Hamburgern, vergleichen würde. Aber Bohnen sind auch eine Form der Dreifaltigkeit, bei der die meisten Menschen höchstens zwei Beteiligte gut finden. So wie Gott und Jesus sicher ein cooles Duo an der Weintheke waren, der heilige Geist aber eher so ein Eumel aus der Nachbarschaft der Kneipe, den niemand freiwillig kennenlernen mochte, weil er doch etwas creepy war.

Ich gehöre spätestens seit Entdeckung des Chilis zum Team Rot-Weiß.

Grüne Bohnen sind faserige Beilage mit bitterem Nachgeschmack, während man die roten und weißen Bohnen immer nur dann antrifft, wenn sie zumindest gefühlt fettig vollmundig legendäre Gerichte begleiten oder sogar ausmachen.

(Kleine Seiteninformation: Wusste irgendwer hier, dass im ursprünglichen Chili con Carne keine roten Bohnen waren?)

Nun waren die Bohnen eines jener Essen, die Ozie und mich in die Verzweiflung hätten treiben können, denn wir betrachteten sie beide von der jeweils anderen Warte aus:

Ich liebte weiße und rote Bohnen in unterschiedlichsten Eintöpfen und mied die grünen, wohingegen Ozies Lieblingsgemüse grüne Bohnen waren, während sie mit den anderen nur wenig anfangen konnte.

Chili con Carne - bzw. auch mal die vegane Variante - war lange Zeit der Minimalkonsens, was von Bohnen dominiertes Essen bei uns anging. Was ok war, da wir auch oft mal alleine gekocht  haben.

Und nicht falsch verstehen: Wir beide haben das jeweils andere nicht gehasst, ich hab grüne Bohnen im Gemüseeintopf immer akzeptiert und Ozie hat auch mal Baked Beans oder eben Chili mit mir gegessen.

Aber dann kam in den letzten Wochen etwas, was mich überrascht hat: Ich lernte grüne Bohnen plötzlich zu lieben. Ja: Zu lieben!

bohnen.jpg

Ich glaube, es hat mit dem Essen bei einem Italiener in Kreuzberg angefangen, bei dem ich mit Ozie und meinem Vater bei dessen Besuch in Berlin gelandet war. Ich hab ein Entrecôte (stimmt das so?) bestellt und es kam mit grünem Spargel und Bohnen. Keine Frage, ich mochte das Fleisch am meisten, aber wie so oft in den vergangenen Jahren hat auch da irgendso ein Erwachsenen-Hormon eingegriffen und mich das plötzlich gut finden lassen. Vielleicht liegt es wirklich an der Elternschaft, denn ich hab auch bisher schon gerne Dinge, die ich bisher nicht kannte oder nicht zu mögen glaubte, ausprobiert.

Seitdem bin ich eine Art Grüne-Bohnen-Schaufel und schmeiße überall noch welche hinzu. Ist das dieses Erwachsenwerden?

PS: Ozie ist ungefähr zeitgleich das selbe mit Feta passiert. Witzigerweise ein Gemüse, dem ich immer noch Vorrang vor grünen Bohnen geben würde. ;)

Hitzefrei!

Hitzefrei. Im Sinne von "frei von Hitze". Endlich. Endlich.

Ich hab den kompletten Blogeintrag über Woche 14 im Sumpf der allesumschlingenden Hitze verloren. In jeder Anmerkung zu den einzelnen Tage steht irgendwo "heiß", "noch heißer", "scheißheiß" und ähnliches.

Natürlich gab es wie immer viel zu tun, ich habe letzte Woche ja sogar gearbeitet. Inklusive Anfahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln bei 38°C im Schatten. Im Grunde einen eigenen Roman wert, aber am Tagesende saß ich dann doch nur etwas würdelos weil aus allen Poren gleichermaßen schwitzend vor dem PC, den ganzen Tag mit nur drei Duschunterbrechungen durchgegart und habe mich gerade noch zum Minimalstprogramm aufraffen können, das natürlich nur noch aus Netflix und Youtube bestand. An guten Tagen hat's für zwei Missionen bei GTA gereicht, die ich schon achtmal gespielt und deswegen auch im Hitzekoma relativ unfallfrei hinbekommen habe. Wobei unfallfrei ein Wort ist, das man im Zusammenhang mit GTA eher vermeiden sollte, weil es ein Synonym für Langeweile sein könnte, ja: müsste.

Und so ist es ja auch gemeint. Mehr als "abschalten" ging nicht bei den Temperaturen, und dieses Wort beschreibt ja erst recht nur sehr unzureichend, was in gegarten Gehirnen so vor sich geht.

Und obwohl das Unwetter heute Nacht eigentlich eher meinen Unmut erregte, ob der Ereignislosigkeit, die mit ihm einherging, ist es in den Folgestunden dennoch langsam abgekühlt. Ja, nicht sonderlich weit. In meinem Zimmer trotz nachts ganz geöffnetem Fenster sind es immer noch 26,5C, aber es fühlt sich sehr viel besser als 31,1 an.

Ja, ich schwitze gerade immer noch, aber nach einem kleinen Außeneinsatz und einem heißen Gemüseeintopf mit Tabasco ist das auch wieder ein ganz anderes Thema und hat nix mit der zermürbenden Hitze zu tun.

Größer als jetzt durch das Wissen, dass es dieses Wochenende vielleicht wirklich unter 30°C bleiben wird, wird meine Entspannung kaum mehr werden. Das muss jetzt so. Ich hole mir erst einmal ein Eis als Dessert aus der Gefriere!

Mutterliebe!? #SpruecheUnsererMuetter

Bei Twitter trendete in den letzten Tagen der Hashtag #SpruecheUnsererMuetter Obwohl das stellenweise schwer einzuordnen war, stellte sich schnell heraus, dass der Hashtag eigentlich gedacht war als Sprachrohr für all jene, die eine alles andere als schöne Kindheit hatten, deren Erfahrungen im Elternhaus geprägt waren von Gewalt, jetzt mal egal ob physisch oder psychisch.

Ich habe das glücklicherweise rechtzeitig mitbekommen und deswegen gar nix unter dem Hashtag gepostet, denn das wäre mir nicht zugestanden.

Ich will meine Mutter, bzw. meine Eltern da nicht reinwaschen. Ich bin in den frühen 80ern Kind gewesen und zumindest das mit dem "erzieherisch wertvollen Klaps auf den Po" hab ich mitmachen müssen, ganz gewaltfrei war damals noch wesentlich linker als meine Eltern es waren.

Weswegen ich trotzdem nix zu dem Hashtag beitragen will, ist jedoch ganz klar: Weil ich mich nicht erinnern kann, dass meine Eltern mich jemals in irgendeiner Form systematisch drangsaliert haben. Wenn es (Und ich betone es hier ganz klar: UNGERECHTFERTIGT!) was auf den Hintern gab, dann weil ich oder mein Bruder irgendwas "schlimmes" oder "falsches" getan hatten, nie, weil unsere Eltern uns zu verstehen geben wollten, dass wir grundsätzlich irgendwie falsch/dumm/böse/unerwünscht wären.

Ich hatte eine glückliche Kindheit, ganz ehrlich. Natürlich mit Höhen und Tiefen, aber trotzdem insgesamt glücklich. Meine Eltern mögen nicht immer den angemessenen Ton gefunden haben, aber sie haben mich und meinen Bruder geliebt. Und  soweit ich das aus Erzählungen weiß, war das bei Ozie noch einmal mehr so. Deren Eltern waren (ein paar Jahre später) sogar wirklich schon so weit, auf Gewalt komplett zu verzichten.

Ich gebe zu, dass ich nicht extrem viele Gegenbeispiele persönlich kennengelernt habe, aber ja, ein paar "Verstoßene" waren schon dabei, Prügel als Strafe kenne ich aus Erzählungen als Alltagsgeschichten.

Sowas ist mir unbegreiflich und ich verurteile es zutiefst, aber ich will an dieser Stelle auch einen sehr persönlichen Dreh finden, der mich und Ozie als Erstlingseltern gerade betrifft und der nicht minder absurd ist: Die Überbewertung von Dingen wie "Mutterliebe".

Ich weiß, dass das hart klingt und ich kann nur immer wieder betonen, wie sehr wir beide Herrn Baby lieben und das Beste tun, damit sein Leben noch dreimal besser wird als unseres.

 Meine Mutter, Elke Blömer, geb. Kasner 2001: Tolle Mutter, leider alkoholsüchtig. Quelle: Sash

Meine Mutter, Elke Blömer, geb. Kasner 2001: Tolle Mutter, leider alkoholsüchtig. Quelle: Sash

Aber vielerorts (und da möchte ich anmerken, dass ich o.g. Hashtag nur als Aufhänger und nicht als Beispiel genutzt habe!) findet auch eine antiemanzipatorische Überhöhung dessen statt, was gerne als Mutterliebe bezeichnet wird: Nämlich die völlige Unterordnung der Frau unter ihre Rolle als Mutter.

Das klingt technokratisch, aber es ist nunmal so, dass Babys verdammt stressig sind und Frauen nicht immer völlig Herrin der Lage. Rein organisatorisch. Es kommt vor, dass einen der eigene Nachwuchs überfordert oder man sogar aufgrund eigener Probleme nicht in der Lage ist, eine angemessene "Menge" Liebe an die eigenen Kinder weiterzugeben. In manchen Fällen wird das halbwegs akzeptiert, aber wir hier kennen die andere Seite: Unser kleiner Herr Baby hat keine Omas, und zwar weil sowohl meine Mutter als auch Ozies Mutter schon lange tot sind, und zwar ausgerechnet aufgrund zweier Krankheiten, die viele Menschen hierzulande (im Alltag) nicht als solche anerkennen:

Ozies Mutter starb lange bevor wir uns kennenlernten durch einen Suizid, der einer Schizophrenie geschuldet war und meine Mutter starb 2009 an den Folgen ihrer Alkoholsucht.

Und keine Frage: Wir beide haben Erinnerungen an unsere Mütter, die nicht sonderlich schön sind, aber wenn man die Krankheiten abzieht, bleiben uns beiden überwiegend sehr positive Erlebnisse, die wir abgespeichert haben.

Deswegen ist das überhaupt kein Jammertext, denn uns dreien hier geht es gut. Aber ja, wir sind jetzt als frischgebackene Eltern vorsichtig geworden, denn egal ob es um Mutterliebe, Muttermilch oder Muttergefühle geht: Überall wird einem erzählt, dass genau das der Schlüssel zum endgültigen Glück sein soll.

Und das ist Bullshit! Unsere Mütter waren beide sehr engagierte, progressive und liebenswerte Menschen, die für ihre Kinder im Grunde alles getan hätten, es aber nicht konnten. Und noch einmal mehr: Ich schreibe das nicht, um den Eindruck zu erwecken, dass andere "sich doch nicht so haben" sollen! Ich möchte deren Erfahrungen nicht herabwürdigen und ich bin felsenfest überzeugt davon, dass man ihnen zuhören sollte. Das ist keine "Wir gegen Die"-Sache! Ich weiß, dass das missdeutet werden könnte, aber das ist kein Äquivalent zu "Es gibt keine weißen Privilegien, denn ich bin weiß und trotzdem scheiße!*". Allen Gewaltopfern stehe ich solidarisch zur Seite, Punkt!

Trotzdem ist es falsch, das alles auf die Mütter (eigentlich: die Eltern, aber seien wir ehrlich, soweit sind wir noch nicht!) abzuwälzen! Es geht ums Wohl der Kinder, und leider muss man auch heute noch anmerken, dass das nicht das selbe ist. Das Wohl der Kinder kann auch durch Onkel, Großeltern, Lebenspartner oder sonstige Menschen gewährleistet werden. Je mehr Liebe da ist, desto besser, keine Frage! Aber hört verdammt nochmal auf, da Müttern die Alleinschuld (Und ja: SCHULD - denn wenn alles gut geht, sind andere ja gerne willkommen!) aufzubürden. Sie sind auch nur Menschen und haben entsprechend auch ein eigenes Leben!

*Der Witz war beabsichtigt

Woche 13

Endlich kommt der Regen. Es ist inzwischen nach 4.00 Uhr nachts, aber die letzten zweieinhalb Stunden hab ich damit verbracht, mein Bett vollzuschwitzen - wie so viele in den letzten Tagen. Uns hat es in unserem Betonbunker in Berlin zwar bei weitem nicht so hart getroffen mit der Hitze wie andere Leute hierzulande, aber wenn das Thermometer auch nachts bei offenem Fenster noch fast an der 30°C-Marke kratzt, ist das irgendwann zermürbend.

 Fast leergekauftes Eisregal im Netto - allerdings schon im Juni. Quelle: Sash

Fast leergekauftes Eisregal im Netto - allerdings schon im Juni. Quelle: Sash

Begonnen hat die Woche mit frühem Aufstehen am Montag, denn da hatten der Herr Baby und ich den frühesten der sechs Krankengymnastiktermine zu absolvieren. Immerhin konnten wir anschließend einen sehr entspannten Tag im Park verbringen.

Dann kam der neue Herd, es wurde sehr warm, wir waren nochmal im Park, haben uns mit dem Elterngeldantrag rumgeschlagen und im Wesentlichen war es das dann, bis Herr Baby am gestrigen Samstag drei Monate oder exakt 13 Wochen alt geworden ist.

 Da ist jemand schon sehr gut darin, Dinge zu halten und sie direkt in der Hand zu vergessen. Quelle: Sash

Da ist jemand schon sehr gut darin, Dinge zu halten und sie direkt in der Hand zu vergessen. Quelle: Sash

Schon ein Vierteljahr. Wie die Zeit vergeht!
Und dann doch erst 92 Tage. Unser Zeitgefühl hat der Kleine schon gut ramponiert.

Obwohl ich die Woche unerwartet nicht arbeiten musste, hab ich es nicht hingekriegt, hier oder anderswo öfter zu schreiben. Und das, obwohl ich da endlich mal wieder die Füße auf den Boden kriegen wollte. Das eigentlich Verwunderliche daran ist: An der Zeit liegt es nicht! Ich meine, natürlich braucht der Herr Baby Aufmerksamkeit und der Haushalt ist mit ihm auch nicht gerade ärmer an Aufgaben geworden - aber mehr Glück als mit diesem Baby hätten wir nicht haben können, das kann man nur immer wieder sagen:

Als Ozie zum Beispiel am Donnerstag früh einen Arzttermin hatte, hat sie ihn um halb sieben nochmal ins Bettchen gelegt, während ich nur via Babyphone zugeschaltet war. Und Herr Baby? Hat bis um 9:30 Uhr durchgeschlafen und mir selbiges folglich auch erlaubt. Das heißt natürlich nicht, dass Ozie nicht ständig zum Stillen geweckt wird, aber selbst da kratzt das an der unteren Grenze des Möglichen. Deswegen ist es für sie trotzdem immer wieder anstrengend, aber insgesamt finden wir beide Zeit für Schlaf und die meisten Tasks, die wir uns sonst so auferlegt haben.

 Das war abgesehen von der Krankengymnastik das ganze Montagsprogramm. Quelle: Sash

Das war abgesehen von der Krankengymnastik das ganze Montagsprogramm. Quelle: Sash

Nein, ich bin's! Ich muss mich endlich mal wieder zusammenreißen und mich tippenderweise hinter die Tastatur klemmen, obwohl es gerade warm ist und ich eben schon einkaufen war. Sagt sich bloß leichter, als es getan ist. Falls ich in den letzten 10 Jahren als Blogger irgendwelche Motivationsideen nicht bemerkt haben sollte: Immer her damit! :D

Die 1000€-Glühbirne

Ich muss reden. Es geht um unseren Herd. Unser Herd ist eines der unspektakulärsten Stücke Elektrogeschichte dieses Planeten. Da in Berlin Herd und Spüle zur Wohnungsausstattung gezählt und vom Vermieter gestellt werden müssen, wir aber in einem sehr günstigen Eck von Berlin wohnen, ist unser Herd sehr günstig. Seine einzige Spezialfähigkeit ist kleiner als ein normaler Herd zu sein, was selbst unsere kleine Küche als Beleidigung verstehen dürfte.

Nun hat sich unser Herd irgendwann zu Beginn des letzten Jahres, also 2017 einen kleineren Mangel eingefangen. Gleichermaßen unwichtig wie wichtig: Die Betriebsleuchte ging kaputt. Bzw. wie im folgenden Bild zu sehen ist: Es ist nicht einmal die Birne selbst, die nach 9 Jahren den Dienst quittiert hat, sondern irgendwann hat sich die Plastikverkleidung gelöst, ist wahrscheinlich in den Herd gefallen und hat die Beleuchtung mit sich gerissen.

Martialische Worte, wenn man bedenkt, dass nix davon auch nur einen ganzzahligen Centbetrag kosten dürfte.

 Herdlicht, ehemaliges. Quelle: Sash

Herdlicht, ehemaliges. Quelle: Sash

Da zudem mal wieder die Zahlen an den Drehknöpfen ausgeblichen waren, griff ich zeitnah - also im August etwa - zum Hörer und rief den Hausmeister an. Wie gesagt: Vermietersache. Sonst hätten wir das schnell selbst erledigt.

Der Hausmeister war erst nicht erreichbar, dann erreichte ich unter seiner Nummer wen, der mir sagte, ich solle den Hausmeister anrufen (WTF?), dann wieder ging er ran, leitete den Auftrag weiter und nix passierte ... und auch ich hatte mit mehreren Reisen, einer schwangeren Frau und null Bock gute Gründe, nicht alle zwei Tage dort vorstellig zu werden. Die Monate zogen ins Land, der Herd blieb "kaputt", wir haben (wie oben noch gut zu erahnen ist) das Loch, wo die Leuchte saß, mit Panzertape überklebt. Kein Drama, aber wer hat noch nicht mal versehentlich eine Herdplatte angelassen? So eine Power-Leuchte ist nicht nur Zierde.

Nach ewigem Hin und Her wurde es dann Januar 2018 und das mit einem Handwerker-Termin klappte endlich. Inzwischen hatten ich und der Hausmeister gefühlt jeder schon 20 Stunden investiert. Wobei ich wenigstens weiß, was ich gemacht habe.

Naja, die Elektriker stürmten unsere gerade in der Renovierung befindliche Wohnung, wechselten die Drehknöpfe aus, guckten sparsam und sagten, dass sie für die kleine Leuchte den Herd aus der Küchenzeile entfernen müssten.

Nun sind wir vielleicht Chaoten, aber dass man einen Herd mit Silikon grob umfugt (Hihi, grober Umfug!), um wenigstens das Verschwinden halber Brathähnchen zu vermeiden, hatten auch wir bereits verinnerlicht. Und da die Handwerker gerade eh keinen Ersatz für Birne oder Abdeckung dabei hatten ("Wir müssen uns das ja auch erst einmal angucken."), haben wir ihnen nicht erlaubt, das heilige Silikon zu zerteilen.

Wenige Wochen später war dann aber auch die Küche mit der Renovierung dran.

 Küche, fast fertig. Quelle: Sash

Küche, fast fertig. Quelle: Sash

Also rief ich frohen Mutes wieder den Hausmeister an ...

Man muss anmerken, dass es natürlich kostet, sich andere Elektriker zu holen und dass die zuständigen das aber nur machen, wenn sie einen Auftrag vom Vermieter haben, weswegen ich eben den Hausmeister anrufen musste. Wenn's klappt kein Problem, aber ich bin da wohl in eine Phase von überhöhtem Alkoholkonsum oder gesteigerter Selbstverleugnung an ihn geraten, denn jedes Mal gab es andere Ausreden. Mal war er nicht der Hausmeister, mal leitete er es nicht weiter, mal hatte es wohl die Firma versemmelt, mal war "halt gerade sehr viel los". Letzteres bedeutete dann auch, dass ich "mal so 4 bis 8 Wochen" warten sollte, weil's halt kein echter Notfall war.

"Seien Sie mal froh, dass ihr Herd wenigstens noch tut. Ihr Nachbar zum Beispiel ..."

Als ich vor einer Woche nach eher so 12 Wochen wieder angerufen habe, hatte ich innerlich mit der Sache abgeschlossen. Der Hausmeister war ein Comiccharakter und ich der Typ auf der Suche nach dem Passierschein A38. So hat es mich auch nicht überrascht, dass er dieses Mal sagte, ich solle doch, wenn nix passiert, spätestens nach zwei Wochen nochmal anrufen, weil dann wohl was nicht geklappt hätte. Aber egal, er hat zum gefühlt zwölften Mal den Auftrag rausgegeben.

Dieses Mal meldete sich auch umgehend ein Elektriker, wir machten für nächsten Tag einen Termin aus und der kam sogar. Aber bevor mich jemand falsch versteht: Das ist alleine noch kein Erfolg. Denn obwohl er zu der Firma gehört, die vor einem halben Jahr schon mal hier war, - bzw. vielleicht war er es sogar selbst - und obwohl ich inzwischen im Schlaf die Spezifikationen des Herdes und das Problem darlegen konnte, musste er ja erst einmal vorbeikommen, um sich das anzusehen. ("Na, so eine Lampe hab ich jetzt eh nicht dabei ...")

Während ich also inzwischen 30 Stunden mit Telefonieren (Was meint ihr, wie oft ich niemanden erreicht habe ...) und der Hausmeister mit Delegieren zugebracht hatten, war nun also auch noch eine weitere Stunde für einen Elektriker angebrochen, der dann auf die übliche Wie-alt-ist-denn-der-Herd-Antwort mal so nebenbei meinte:

"Na, so gut sehen die Platten ja auch nicht mehr aus ... sollen wir vielleicht einfach einen neuen Herd ...?"

Und jetzt sind die Elektriker wieder da. Das ganze Schauspiel, das im Wesentlichen dazu dient, dass niemand zu schnell und zu leichtfertig teure Ausgaben zu Lasten unserer Wohnungsbaugesellschaft macht, hat nach zig Personalausgaben, einem knappen Jahr Zeitaufwand nun das absurde Ergebnis, dass wir wegen einer einzelnen Glühbirne einen neuen Herd kriegen.

Vielleicht gibt es ja doch einen Gott und er hat sich inzwischen Loriot in den Beraterstab geholt.