Helden des Alltags: Die Chemmie-Alkies

Der Einkauf im Supermarkt ist auf vielfache Weise eine beeindruckend glänzende Fläche, in der sich die gesamte Gesellschaft spiegelt. Und nicht nur das, was man selbst für relevant hält.

Der Typ, der letztlich vor mir an der Kasse landete, kam mir schon in der Schoki-Abteilung laut gestikulierend entgegen:

"ICH KÖNNTE MICH JA GLEICH HINTEN ANSTELLEN, ABER NEEEIIIIN!!!!"

Er redete offenbar in sein Headset und wich davon auch am Kassenband nicht ab:

"Ja, aber es geht ja um den Sauerstoff. Und wenn der giftig ist, atmen wir den alle ein. WIR ALLE!"

Das hätte ich leicht überhören können, hätte er nicht ausgerechnet drei eher auch nicht so gesundheitsfördernde Billig-Bier aufs Kassenband geschubst, dabei drei Einweg-Atemmasken großzügig und dennoch unfreiwillig im Netto verteilt und anschließend während des Weitertelefonierens Probleme gehabt, die (nach dem Pfandbon) verbleibenden acht Cent (!) für sein Bier aufzutreiben. Als ich endlich an der Reihe war, hatten die Augen der Kassiererin gerade die 1080°-Marke passiert.

Beinahe laut losgeprustet hätte ich aber, als er - während ich eingepackt habe - drei Meter neben der Kasse ins Headset losphilosophierte:

"Sag mal, dit kennste doch: In jeder Gruppe is' immer ein Idiot, den alle anderen bescheuert finden ..."