Die mit der Limo

Familie ist ja nicht immer einfach.

Im besten Fall natürlich schon, aber manchmal fällt man auf, ohne dass man das will und ohne dass es einen Grund dazu gibt. Nehmen wir mal mich und Ozie diese Woche. Es gab eine Hochzeit in der Familie zu feiern, ein wunderbarer Anlass, um mal ein paar hundert Kilometer ein paar hundert Kilometer sein zu lassen und in bester Laune an einem Ort anzutanzen, der sonst eher weniger antanzenswert gewesen wäre.

Da Ozie und ich kein Auto unser Eigen nennen und "das mit dem Zug" uns eher weniger verlässlich erschien, haben wir ein Auto gemietet. Gibt manchmal Sinn. Und trotz überschaubarer Finanzen entscheiden wir uns dabei nie für die günstigste Kategorie, was einen einfachen Grund hat: Mich, den Sash. Nicht, dass ich meine Ansprüche an ein Auto qualitätsmäßig nicht weit genug runterschrauben könnte, aber meine zwei Meter Längenmaß lassen gewisse Dinge einfach nicht zu. Zum Beispiel einen Ford Ka. Da kann ich selbst als Beifahrer nicht drin sitzen. Und da Autovermietungen ihren Fokus offenbar lieber aufs Prestige denn auf die Nutzbarkeit richten, müssen wir manches Mal einen ziemlich unnötigen Sprung nach oben wagen.

In diesem Fall sind wir sogar ein gewisses Risiko eingegangen und haben einen Wagen der Golf-Klasse gewählt. Wenn man den Golf 1 mal außen vor lässt, ist das super, denn immerhin waren wir nur zu zweit und meine Wenigkeit hat im Golf 4 immerhin seinen Führerschein bestanden. Dummerweise befand sich beim Autovermieter unserer Wahl auch die B-Klasse von Mercedes im selben Spektrum, was für mich ungefähr ein gebrochenes Knie pro Kilometer bedeutet. Aber hey, Glückwunsch, es könnte auch ein Daimler werden!

Obwohl das also preismäßig schon eher die dritte Kategorie war, hatte ich Zweifel. Dabei hätte ich einen garantierten Smart z.B. gerne angenommen.

Bei der Übergabe wurde mir dann verkündet, dass es sich um einen Passat handeln würde, eine Limousine. Golf-Klasse, so so ...

Also gut. Ich gebe zu, dass ich mich erst einmal in der modernen Welt mit schlüsselfreiem Motorstart und co. einfinden musste, aber am Ende war ich natürlich froh. Selbst die zusätzlich eingeplante Sperrmüllentsorgung am Tag darauf hat gut funktioniert, obwohl wir eher auf einen Kombi oder Minivan gewettet hatten. Aber wenn das Auto am Ende ohnehin einen Meter länger ist, als man dachte ...

Im Laufe der Reise hat unser Gefährt sogar weiterhin Vorteile offenbart. Natürlich war es toll, eine Kiste zu haben, die auch bei 190 km/h gut auf der Straße lag, natürlich waren die getönten Scheiben praktisch, um sich vor der Hochzeit nochmal umzuziehen.

Nichtsdestotrotz standen wir am Ende vor dem Standesamt mit der "dicksten Kiste" und alle haben sich gefragt, wer sich sowas rauslässt. Überraschungsbesuch gar?

Ja, verdammt nochmal: Wir leben in einem Umfeld, in dem eine schwarze Limousine - auch wenn sie von VW ist - noch Aufsehen erregt! Auf der einen Seite finde ich das ok, denn ich hab an dem Wochenende auch festgestellt, dass für mich der aktuelle Passat genau an der Grenze balanciert, wo ich Luxus noch in Ordnung finde und noch nicht übertrieben. Auf der anderen Seite muss ich doch auch mal anmerken, dass das nur ein fucking random Auto war, dass wir zufällig zugeteilt bekommen haben. Ein Auto, ein Mietwagen, mehr nicht!

PS: Ich persönlich fand den Passat ja extrem 80er-backflashig. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich mit dem Passat meiner Eltern in den 80ern groß geworden bin, aber bitte, wieviel anders sieht das hier denn bitte aus?

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