Von blaublütigen Palmen

Inneneinrichtung. Auch so ein Teil des Lebens, der im Laufe der Zeit immer weniger mit einem Bierkasten zu tun hat.

Ich gestehe gerne, dass ich da keine, aber auch wirklich gar keine Vorbildfunktion inne habe, aber es kann schon vorkommen, dass ich schwedische Einrichtungshäuser mit nicht essbarem Grünzeug wieder verlasse. Zimmerpflanzen also. Das ist sogar halbwegs lustig, jetzt wo man mit Mitte 30 weiß, dass sie mittels etwas Wasser auch wirklich nicht jede Woche neu gekauft werden müssen und die tote Palme im Zimmereck vielleicht doch nicht nur eine Inneneinrichter-Verschwörung war, sondern vielleicht wenigstens mittelschwer mitbestimmt durch das Gießen mit den Restbeständen, die nach der Party noch so rumstanden.

Aber gut, worauf ich eigentlich rauswollte: Wir haben uns eine Palme für den Flur gekauft. Und haben dafür schon den dritten Anlauf genutzt. Sonderlich vorzeigbar ist das alles noch nicht, da für das korrekte Pflanze-Flur-Arrangement ironischerweise eine Pflanze und ein Flur nicht ausreichen. Dinge wie fehlende Töpfe oder üverschüssige noch nicht aufgebaute Möbel verderben den Katalog-Charakter der Gesamtsituation z.B. spürbar.

Eines allerdings ist schon geklärt: Der Name.

Haushaltsgegenständen Namen zu verleihen ist so eine Sache, die von schrullig zu super-hilfreich reichen kann. Und selbst in einem kleinen Zweierhaushalt wie dem unsrigen ist stets fraglich, ob sich die alberne Idee zu Beginn am Ende wirklich halten kann. Dass wir unsere neue Spülmaschine Phil getauft haben, vergesse ich ständig, hingegen würde sich die tägliche Kommunikation mit Ozie spürbar verkomplizieren, wenn wir nicht zwei unserer Räume hier mit Elsaß und Saarland einvernehmlich benannt hätten.

Und während ich mich bei oben abgebildetem Palmi nur schwer die Bezeichnung "Dracaena Deremensis" merken kann und "dementer Drache" irgendwie nicht so sonderlich schmeichelhaft klingt, hab ich noch im Ikea kurz mal "Graf Dracula" eingeworfen. Woraufhin Ozie, ganz passend, "Graf Zahl" einwarf, weil: "Das ist der eine weitere Schritt in Richtung Abstraktion, der nötig ist".

Und was sollen wir sagen? Jetzt, eine Woche später, haben wir beschlossen, dass wir Graf Zahl bald mal umtopfen sollten. Sieht aus, als wäre diese Umbenennung einmal mehr erfolgreich. Nun muss das Vampirgewächs nur noch seine Unsterblichkeit unter Beweis stellen.