Endlich raus aus der Kirche

Die wenigsten hier werden es wissen, aber dank einer dreißig Jahre zurückliegenden Taufe war ich bis gestern auf dem Papier evangelisch. Das ist etwas weniger gefährlich als scientologisch zu sein, aber trotzdem bescheuerter als nötig, wenn man nicht so auf imaginäre Freunde steht.

So wirklich gestört hat's mich dann aber nie, weil ich zum einen nie so viel Geld verdient habe, dass es steuerlich eine spürbare Belastung war, und ich zum anderen nicht dazu neige, mir Dokumente von Ämtern jeden Tag durchzulesen und mich an sowas zu erinnern. Dazu kam dann immer irgendein Grund, warum es jetzt gerade blöd ist mit dem Austritt. Beim allerersten Versuch vor 15 Jahren oder so hatte ich z.B. ernsthaft nicht das Geld, um die Gebühr zu bezahlen. In letzter Zeit ging es dann eher um so Sachen wie Verschlafen, keine Lust oder es war gerade zu warm/kalt/regnerisch.

Und selbst wenn man meine Faulheit als legendär einstufen mag: Für einen simplen Verwaltungsakt wird's einem auch schwer gemacht. Bis ich gestern im Gericht stand, dachte ich ehrlich gesagt, dass - wenn schon eine persönliche Vorsprache nötig ist - vielleicht wirklich ein Fragebogen oder etwas vergleichbares anfällt, tatsächlich bin ich eine halbe Stunde zum zuständigen Gericht gefahren, damit sie dort meine Daten aufnehmen und mich exakt zwei Dinge fragen:

1. Haben Sie 30€ dabei?

2. Aus welcher Kirche wollen Sie denn austreten?

Das sind Probleme, die sich im weniger spirituellen Universum der Realität online erledigen ließen. Aber gut, das wäre das, jetzt ist es endlich durch. Und wehgetan hat's am Ende auch nicht wirklich.