Geht ein Pärchen in den Wald

Geht ein Pärchen in den Wald …

Ja, sicher, so könnte auch ein Porno anfangen. Und vielleicht würde er auch den Titel „The Forest“ tragen, vermutlich aber mit einem eher plastischen Untertitel. Irgendwas mit strammem Holz oder so.

Aber ich wollte eigentlich über nur so mittelstrammes Holz reden, denn wenn man sich durch den digitalen Wald in „The Forest“ bewegt, sind die Bäume wie so vieles nicht sehr standhaft, sondern lassen sich abholzen. Und zumindest meine Porno-Fantasien sind damit an ihrem Ende angelangt.

Aber egal, wie stramm sich das Gehölz auch gibt: „The Forest“ ist ein formidables Ausflugsziel für Ozie und mich, wenn der Abend lang und dunkel ist. „The Forest“ ist ein Horror-Survival-Game, beginnt mit einem Flugzeugabsturz und fortan muss man hauptsächlich überleben. Der Horror fängt im Wesentlichen dann da an, wo man merkt, dass es Kräfte gibt, die einen aktiv an jenem Überleben hindern wollen. Und bei all den Spoilern, die dieser Text ohnehin enthalten wird, fühle ich mich frei, Euch mitzuteilen, dass es nicht Waschbären sind, die einem die ernsthaften Probleme bereiten.

Zuallererst kämpft man natürlich gegen den Hunger und den Durst, dem man sich in der Wildnis des Urwaldes ausgesetzt sieht, man baut sich mehr oder weniger befestigte Nachtlager, auch wenn dafür durchaus mal drei Tage Bäumefällen notwendig sein kann.

Dabei tut man gut daran, insbesondere Nachts ein bisschen Abstand zwischen sich und das zu bringen, was die Natur so alles hervorgebracht hat in dieser gottverlassenen Ecke der Welt. Denn während man ohne Feuer absolut nichts sieht und je nach Wetter auch bitterlich friert: Mit Feuer wird es erst recht tödlich, denn insbesondere die Menschen und menschenähnlichen Geschöpfe werden vom Schein des Feuers geradezu angelockt.

 So friedlich isses im Wald leider nicht immer. (Screenshot: Sash/Endnight Games)

So friedlich isses im Wald leider nicht immer. (Screenshot: Sash/Endnight Games)

Ja, die Insel ist bevölkert von obskuren Eingeborenen, zombiehaften Gestalten und geradezu absurd entstellten Mutanten und nach etlichen Stunden Spielpraxis lässt sich vorläufig abschließend sagen: Für deren diplomatisches Gespür wäre selbst „trumpesk“ eine sehr wohlwollende Bezeichnung.

(*hakt auf der Lebenszielliste den Punkt „einen Text schreiben, in dem der US-amerikanische Präsident positiv erwähnt wird, also wenigstens im Vergleich zu mehrbeinigen schleimigen Mensch-Mutanten“ ab*)

Je nach Art sind die Gegner schnell weggenatzt oder aber eine ernsthafte Bedrohung fürs eigene Leben, das – das Wort Survival verrät es – eine relativ hohe Bedeutung im Spielverlauf hat. Doch damit nicht genug: Auch jede noch so hohe Mauer kann im Laufe der Zeit unter den Angriffen zusammenbrechen.

Es sei hier irgendwo untergebracht, dass das Spiel durchaus eine Handlung besitzt. Man soll seinen Sohn wiederfinden, ebenso die anderen Passagiere. Im Wesentlichen bedeutet das aber ohnehin, die Insel zu erkunden und dabei nicht draufzugehen. Herausfinden, welche Beeren essbar sind, mit welcher Waffe sich Rehe am leichtesten jagen lassen … ganz im Ernst: So lange man damit beschäftigt ist, kann das Kind ruhig noch eine Nacht länger bei den Mutanten bleiben. Will heißen: Natürlich ist es gut, dass das Spiel auch ein Ziel hat, je nach persönlicher Motivation braucht's das aber nicht unbedingt. Zumal ein „Ende“ auch erst vor gar nicht allzu langer Zeit hinzugefügt worden sein soll, obwohl „The Forest“ selbst schon seit drei Jahren spielbar ist.

Als Alpha-Version, Early Access. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, muss vielleicht jeder selbst entscheiden. Einerseits scheint es nie wirklich fertig zu werden, andererseits ist es dafür, dass es dadurch überschaubare 20€ kostet, durchaus schon ziemlich ausgereift, wird mit den Updates in der Regel einfach nur schöner und umfangreicher und quasi endlos spielbar.

Gute Voraussetzungen, um hier im Haushalt zu einem Standard-Game zu werden, bei dem man sich auch mal via Headset über die Zicken der Waschmaschine unterhält. Zumindest, wenn es gerade keine Lurche zu häuten gibt.

Sicher, die Animationen (insbesondere die der Mitspieler im Co-op-Modus) sind noch etwas 2005, ansonsten kann man dem Spiel eine wirklich angenehme Atmosphäre attestieren. Also so lange man die Atmosphäre für ein relevantes Ding hält, während man sich mit kreischenden Killerbabies und Tentakel-Riesen eine Insel teilt. Aber im Ernst: Stimmige (und nur leicht fehleranfällige) Beleuchtung, eine insgesamt durchaus gute Grafik und hier und da dann doch viel Liebe fürs Detail, wenn man bedenkt, dass das Spiel wohl von einem ziemlich überschaubaren Team geschrieben wird.

Bleibt noch anzumerken, dass der Singleplayer um einiges gruseliger ist. Zumindest, wenn man sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt hat, dass die eigene Partnerin mit dem Aussehen eines schnauzbärtigen Mexikaners eine Reihe Zombies platt macht.