Bleibt weg, Mitspieler!

Ich möchte mal einfach aus Gründen der Machbarkeit etwas über Computerspiele schreiben.

Ich zocke gerne. Und wenn ich ein Spiel gerne zocke, dann auch viel. Also jetzt nicht viel im WoW-anno-2005-Sinne, aber gerne mal ein paar Stunden am Stück. Und um das tun zu können, spiele ich gerne relativ opulente Spiele. Ich entdecke gerne die Spielwelten, ich mag es, mich in einem Spiel zu verlieren und nicht für neun Stunden eine neue Steuerung erlernen zu müssen. Das in Kombination mit meiner Vorliebe für Shooter und verwandte Genre führt dazu, dass ich gerne Mainstream-Spiele zocke. Derzeit GTA V und Far Cry 4, sowas halt. Indiespiele sind mir oft zu kurz oder zu einfach strukturiert. Ich bin da wirklich die klassische Zielgruppe; ich find's gut, wenn man den Spielen ansieht, dass da ordentlich Geld reingeflossen ist.

Was mich ärgert, ist dieser Online-Fetisch, der jetzt 20 Jahre nach Beginn des Internets irgendwie wirklich alle erwischt zu haben scheint. Und damit meine ich nicht, dass man seinen Spielstand mit Freunden teilen kann oder es auch einen Multiplayer-Modus gibt, sondern dass das nach Ansicht der Entwickler offenbar immer mehr zusammenfließen muss oder dass plötzlich auch bei nicht expliziten Multiplayer-Titeln das Hauptaugenmerk auf dem Mehrspieler-Teil liegt.

Fangen wir bei ersterem an: Computerspiele sind (neben natürlich vielen anderen Dingen) gerade auch eine tolle Unterhaltung für Menschen ohne Freunde. Oder besser: Sie ermöglichen einem auch Unterhaltung, wenn man mal alleine ist. Die Möglichkeit, mit anderen Menschen zu spielen, ist natürlich etwas großartiges, die Pflicht hingegen ist unnötiger Zwang. PC- und Konsolen-Spiele sind (nochmal: Unter anderem) auch eine gute Möglichkeit, sich zurückzuziehen, mal was ohne soziale Zwänge meistern zu können. Wenn man zum Bestehen aller In-Game-Achievements seine Facebook-Freunde einladen muss, fällt dieser Teil einfach mal weg.

Darüber hinaus kommt da ein ganz gewaltiges anderes Problem zum Tragen: Spiele, die auf mehrere Spieler setzen und dafür Plattformen bieten, sind einfach mal nicht zukunftssicher. Oder zumindest einmal liegt das nicht mehr in der Hand des Spielers. Da vermischt sich das zwar durchaus auch mit dem Nebenaspekt der tragisch erzwungenen Online-Anmeldungen, aber das schlägt in dieselbe Kerbe.

Wenn ich vor 20 Jahren ein gutes Spiel gekauft habe, dann kann ich es heute noch spielen. Und selbst wenn die sonst scheinbar allmächtige Gamer-Community keine Emulatoren bereitstellt, liegt es bei mir, ob ich nicht vielleicht doch den Pentium-II-PC mit Win95 behalte, um das Spiel zu spielen. Heute bin ich davon abhängig, ob Rockstar oder Ubisoft in 5 Jahren der Meinung sind, es lohne sich, die entsprechende Hard- und Software zur Verfügung zu stellen. Und das ist keine leere Hypothese: Ich kann schon heute leichter GTA3 spielen als GTA4 zum Laufen zu kriegen. In dem Fall wegen eines Drittanbieters namens Microsoft, der "Games for Windows" inzwischen eingestellt hat. Im Vergleich zu anderen nun wirklich ein "Big Player", bei dem man sich sicher war, dass das ein Bündnis auf Ewigkeit sein sollte.

Und da überschreitet mein Rant dann eben die Grenzen privater Befindlichkeit und wird zu einem kulturellen Problem. Denn Games sind Kunst, sind Kultur; und trotz aller Copyrightfragen ist es in meinen Augen nicht die Sache der Hersteller, einem Kulturgut den Todesstoß zu versetzen, nur um den Nachfolger besser verkaufen zu können.

Man stelle sich mal vor, Picasso hätte mit seinen Bildern alle Monets übermalt ...

Mir ist klar, dass Multiplayer-Content schnelles Geld liefern kann. Season-Pässe, Shark-Cards, natürlich! Und mir ist klar, dass das verlockend ist und dass das Geld auch wirklich gebraucht wird.

Ich kleiner Naivling denke aber halt, dass es eigentlich besser sein sollte, in 30 Jahren noch Leute zu haben, die das Spiel lieben, es spielen, vielleicht sogar fortentwickeln; anstatt nur einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde zu haben, der dann halt doch schnell wieder gebrochen wird.

Ich habe Far Cry 4 noch nicht durchgespielt und freue mich schon auf die Single-Player-DLC's, für die ich reale Kohle löhnen werde. GTA V hab ich schon viermal durchgespielt, aber noch nicht eine Shark-Card erworben und ich werde es auch nicht tun. GTA Online ist für mich halt nur mäßig interessant. Ich will einfach nicht dauerhaft ein Spiel spielen, in dem ich ernsthaft auf Leute treffe, die so bescheuert sind wie ich und dann auch sogar wirklich noch den Anspruch haben, dass ich ihren Erwartungen genüge.

Ich will nicht einmal sagen, dass ich grundsätzlich kein Geld für Multiplayer-Spiele zahlen will. Das ist ein tolles Genre und ich finde es auch nicht schlecht, dass man seine 19-Zoll-Röhrenmonitore dafür nicht mehr durch die Prärie karren muss. Aber nur weil Social Networks gerade ein Ding sind, sollte der Singleplayer-Modus nicht sterben oder vernachlässigt werden!