Traditionen und so ...

Es verändert sich unglaublich viel, wenn man dabei ist, einen kleinen Menschen in die Welt zu setzen. Ich möchte an dieser Stelle etwas ansprechen, das eher weniger ein gängiges Motiv in all den Texten zur beginnenden Elternschaft ist und das sogar zu Recht, weil es noch eine Weile Zeit hat: Traditionen und Gewohnheiten.

Vieles beim Planen von eigenem Nachwuchs dreht sich plötzlich um Dinge, die man vorher nie bedacht hatte, jetzt aber wichtig sind. Von der Kindersicherheit bis hin zu Ernährung, eigener Gesundheit, Wohnungsausstattung etc. pp.

Ein Punkt, der mich fasziniert, ist die Weitergabe von Traditionen und Ritualen. Und das nicht im religiösen oder weltanschaulichen Rahmen, sondern im Alltag. Wir alle haben Dinge und Verfahren, Verhaltensweisen und Memes, die im Wesentlichen einfach nur "normal" sind, weil wir sie aus dem Elternhaus mitbekommen haben.

Eines meiner liebsten Beispiele ist der (jetzt jahreszeitlich etwas unpassende) Christbaumschmuck. Der Weihnachtsbaum meiner Kindheit war immer nur in zwei Farben geschmückt: Silber und lila. Ich weiß nicht, ob das eher meinem Vater oder meiner Mutter geschuldet war, oder ob da vielleicht mehr dahintergesteckt hat als nur eine gute Farbkombination, aber ich finde das bis heute extrem geil und weit schöner als dieses bunte "Allerlei" an anderen Bäumen, das mir immer vergleichsweise unsortiert vorkam und vielleicht war das sogar ein Grund, weswegen ich selbst im Kindesalter Legosteine lieber ordentlich farbig sortiert verbaut habe und nicht komplett bunt.

Und neben vielem anderen, das jetzt auf mich, auf uns, zukommen wird, fühle ich eine große Ehrfurcht, wenn ich bedenke, dass ich jetzt mit verantwortlich dafür bin, wie ein neuer Mensch seine "normale" Umwelt wahrnimmt und dass er genau das, was wir tun, mit allem anderen abgleichen wird.

Vielleicht reden wir hier vergleichsweise viel über unsere Kindheit und den Einfluss unserer Eltern, weil drei Viertel davon schon tot sind und vielleicht spreche ich dem deswegen diese Aufmerksamkeit zu, das kann sein. Aber hey, für mich ist es immer ein Ding gewesen, dass mein Lieblingsessen nie Pizza war, sondern Zwiebelsuppe.

Auch wenn sich das leider nicht merklich in meinem BMI niedergeschlagen hat. ;)

Und nein, ich habe davor keine Angst, sondern nur gesunden Respekt und ich erinnere mich während dieses Denkprozesses gerne an so viele schöne Momente. Die lustigen Osterverstecke, die meine Eltern für die Süßigkeiten gewählt haben, die toten Hosen als völlig gleichwertige Musik zum Karneval der Tiere oder wie das Anheizen des Holzofens ein Ding und wie normal "Familie Feuerstein" nach dem Baden war. Oder eben, dass es bei uns NICHT die schon irgendwie ekligen "Miracoli-Spaghetti" gab, sondern leckere Nudeln mit Hackfleisch.

Ich weiß, dass ich mich nun erst einmal lange mit den richtigen Windeln rumschlagen muss und da noch vieles weitere kommt, bevor diese Gedanken mal wichtig werden. Und ebenso weiß ich, dass das bald mal in diese Welt platzende Menschlein nicht Ich bin, sondern ein eigenständiger Mensch, dem all das nur als Grundlage dienen wird, was ich ihm mitgeben werde. Aber alleine die Vorstellung, diese Rolle zu übernehmen, flasht mich jetzt bereits seit Wochen vollkommen.

Ich schätze, das mit den Hormonen ist wirklich ein Ding.