Sash, 36, Windelshooter

Vor ein paar Stunden ist unser kleiner neuer Mitbewohner vier Wochen alt geworden. Und vor diese Zahl ließen sich sowohl ein "erst" als auch ein "schon" setzen. Es fühlt sich an, als sei er schon ewig hier - gleichzeitig aber ist das alles noch so neu und mein Herz zerreisst immer noch jedes Mal, wenn er irgendwas völlig belangloses macht und ich hab das Gefühl, so was tolles habe der Kleine noch nie getan. Hormone sind beeindruckend gut in dem was sie tun.

Dank Elternzeit passiert hier jenseits des Kleinen bisher nicht viel. Ich kann selber kaum glauben, wie wenig mir meine Arbeit fehlt. Andererseits ist das Problem mit der berühmten auf den Kopf fallenden Decke natürlich real. Ich gehe inzwischen gerne einkaufen, zur Packstation und hey, haben wir nicht noch was bei der Post liegen?

Das ist keine Einbahnstraße, man kann jede Sekunde mit einem Baby mehr lieben als alles auf der Welt und sich trotzdem hier und da einfach mal weit weg wünschen. Ich denke, es ist wichtig, das zu akzeptieren, ohne sich schlecht zu fühlen. Natürlich bin ich gerade zu 150% Papa, aber was ist mit den anderen 150%, die einen ausmachen, obwohl man jetzt ein Kind hat?

Verurteilt mich nicht vorschnell, ich war in Mathe wirklich so schlecht!

 Der Herr Baby in Kampflaune, Quelle: Sash

Der Herr Baby in Kampflaune, Quelle: Sash

Um ganz ehrlich zu sein: Schon nach dieser kurzen Zeit wünsche ich mir sehr, mal mit Nicht-Eltern einen Abend wegzugehen, was zu trinken und das neue Leben neu aber nicht allgegenwärtig sein zu lassen. Während ich gleichzeitig nach nur drei Stunden Schlaf sofort das kleine Gesichtchen unseres Neubürgers suche und ihn keine Sekunde mehr missen möchte.

Als Lösung für dieses Paradoxon haben er und ich eine vertretbare Lösung gefunden: Far Cry 5. Im Ernst.

Ich finde allgemein, dass Computerspiele unterbewertet werden, was ihren gesellschaftlichen Wert jenseits von Kunst- und Killerspiel-Debatte anbelangt, aber derzeit habe ich wirklich Freude daran, mir die Zeit, die ich mehr oder minder notgedrungen zu Hause verbringe, mit Spielen zu vertreiben.

 Far Cry 5, Quelle: Ubisoft

Far Cry 5, Quelle: Ubisoft

Ich habe den kleinen Herrn Baby derzeit meist mehrere Stunden pro Nacht bei mir, damit Ozie auch ein bisschen Schlaf bekommt. Meist schläft er selbst dabei auch, das ist ja klar. Arg viel mehr machen Babys ja eigentlich nicht, wenn sie nicht gerade ein dringendes Problem haben. Und während dieser Zeit zocke ich. Am Anfang war es noch der drölfte Durchgang von GTA V, dann hab ich Far Cry 3 ein zweites  Mal durchgespielt und Far Cry 4 erneut gestartet ... und dann hab ich's nicht mehr ausgehalten und mir Far Cry 5 gekauft.

Natürlich hätte ich gerade besseres zu tun und auch Geld für sinnvollere Dinge auszugeben, aber ich möchte anmerken, dass sich auch für Babys sehr kontraproduktive schlechte Laune nicht wegzaubern lässt, Hormone hin oder her.

Und mit zwei nicht zelebrierten Kneipenabenden ist so ein Spiel dann ja doch sehr schnell wieder drin. Wenn man denn für die paar Euro zwei Abende bräuchte. ;)

Und so könnte man uns zwei nachts um vier Uhr erwischen, wie ich gepflegt ein paar Kultisten wegnatze, während der Kleine schläft. Hier und da steht dann natürlich mal Windelwechseln oder Fläschchengeben an, aber  was ist das schon, wenn man eben drei Hirsche gehäutet und zwei Trucks geplündert hat?

Und im Gegensatz zu meinem jetztigen Tastaturgeklapper kann der Kleine M60-Sperrfeuer erstaunlich gut ab. Nur Scharfschützengewehre ohne Schalldämper mag er nicht so. Aber ich wäre kein guter Vater, wenn ich für den Knirps nicht meine Eroberungstaktiken anpassen würde, nicht wahr?