Was mit der großen Angst passiert

Egal ob man Kinder plant oder ob das eher versehentlich passiert: Dadurch, dass schon die Schwangerschaft neun Monate dauert, hat man eine Menge Zeit, sich im Vorfeld Sorgen zu machen.

Deswegen ist das auch einer der Punkte, über den ich daherquatschen kann, obwohl meine Vaterschaft zur Stunde noch keine ganze Woche alt ist. Denn das kenne ich schon zur Genüge.

Wir hatten ja das große Glück, uns das alles wirklich wirklich lange überlegt zu haben mit der Familiengründung. Die Idee dürfte seit mehr als fünf Jahren im Raum stehen. Entsprechend gab es genügend Pläne für dies und jenes.

Aber natürlich ist ein Kind, je näher man sich mit dem Thema beschäftigt, ein riesiger Einschnitt in alle Bereiche des Lebens. Einfach weiter wie bisher geht in so vielen Punkten nicht.

(Kleiner Einschub: Aktuell denke ich z.B. über eine leisere Tastatur nach, weil der Kleine neben mir liegt undTippgeräusche offenbar weniger zu mögen scheint als den Sound von Verfolgungsjagden bei GTA ...)

Und vielfach sind das eben die ganz großen Sorgen: Kriegen wir das finanziell hin, können wir uns so ein Leben vorstellen, können wir ein Kind rund um die Uhr versorgen, werden wir mit dem psychischen Druck fertig, sind wir organisiert genug?

 Kinderzimmer, fertig geworden einen Tag vor dem errechneten Geburtstermin

Kinderzimmer, fertig geworden einen Tag vor dem errechneten Geburtstermin

Diese Fragen sind gut, richtig und wichtig. Aber sie sind nicht abschließend klärbar. Ich hab noch vor sechs Tagen, als der Kleine und Ozie noch im Krankenhaus waren, abermals so richtig Panik gekriegt, dass ich das nicht hinkriegen würde. Obwohl wir vermutlich weit im oberen Mittelfeld bei der Gesamtplanung der Situation lagen.

Und dann, einen Tag später?

Als das Baby plötzlich schreiend hier in der Wohnung auf dem Wickeltisch lag?

Nix mehr. Und es ist auch nicht mehr wiedergekommen.

Ich muss da gleich einhaken: Ja, wir werden in den nächsten Jahren noch viel Stress haben und viele viele schwierige Situationen zu meistern haben und sicher einige Verzweiflung spüren. Aber diese große Sorge, ob "das alles" wirklich klappt, ist über Nacht einfach verschwunden. Sie ist einem wesentlich handhabbarerem "Der wohnt jetzt hier, was steht als nächstes an?" gewichen. Die Frage, wie man z.B. "das mit dem Wickeln" hinkriegt, weicht plötzlich einer so profanen Aufgabe wie "Wir brauchen mehr Waschlappen". Das ist kein Problem, das man nicht kennt. Selbst wenn das Geld knapp wäre, man hat auch bisher mal Dinge neu kaufen müssen. Es sind nur Waschlappen. Oder Möbel. Oder Arztbesuche und Elternabende. Kann einem alles mal den Tag versauen, ist aber irgendwie kein Grund zur Panik.

Der wohnt jetzt hier und folglich macht man das Beste daraus.

Viele sagen, man habe einfach keine Zeit mehr, Panik zu haben, aber ich glaube, dass es das nicht wirklich trifft. Ich glaube, wir Menschen sind einfach ziemlich gut darin, eine gegebene Situation zu akzeptieren, bzw. sich mit ihr zu arrangieren.

Klar: Wenn ich mich auf große Zukunftspläne verlege, schaffe ich es auch heute, mich zu fragen, ob ich als Papa nun wirklich so eine clevere Wahl bin. Aktuell bin ich aber trotzdem schon mal der beste Papa der Welt, einfach nur weil ich den kleinen trocken und eingekuschelt mit lieben Worten und warmer Milch ins Bettchen gebracht hab, obwohl ich nur drei Stunden Schlaf hatte. Und das ist schon Motivation genug für alles was ansteht, wenn der Knirps gleich wieder brüllend irgendeine neue Idee hat. Denn die kriegen wir dann auch noch umgesetzt.