FarCry 5 Review

Nachdem ich mir FarCry 5 vor einem Monat gekauft habe und damit ein eigentlich nicht so sonderlich gutes Loch in unser derzeitiges Budget gerissen habe, dachte ich mir, dass ich dann wenigstens einen ausführlichen Blogeintrag schuldig bin. Da ich eher so eine Art Slow-Gamer mit Angst davor, ein Spiel durchzuspielen bin, hab ich inzwischen über 60 Stunden gespielt ohne es zu beenden. Aber immerhin zu mehr als zwei Dritteln bin ich durch, also was sagen kann ich durchaus.

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Inhalt

FarCry 5 ist wie die Vorgänger ein Open-World-Shooter, der mit einer großen Welt aufwartet, wie sie bei Triple-A-Spielen heute erwartet wird. Es gibt erstmalig die Option, seinen Charakter (optisch) anzupassen, ansonsten viel altbewährtes: Ein enormes Waffenarsenal mit Aufrüstungsoptionen, eine deutlich gestiegene Zahl an Fahrzeugen - was unter anderem auch daran liegt, dass man erstmalig auch den Luftraum befliegen kann*, zig Collectibles und etliche Missionen und Missiönchen. Das rudimentäre Crafting bei den Vorgängern ist einem allgemeinen "Vorteils"-System gewichen. Im Wesentlichen ballert man sich durch Bösewichter und jagbare Tiere, vertickt die erbeuteten Sachen und kauft sich davon Waffen, Autos und Angeberklamotten. Daneben ein paar Stunts und Such-Aktionen. Abkürzen beim Einkaufen kann man erstmalig auch mit realem Geld. Zudem ist die komplette Story auch im Co-Op mit einem Freund spielbar, aber Teil der Story ist es auch, NPCs als Begleiter einzusetzen.

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Technisches

Mein nur mäßig gamingtauglicher PC geht bei dem Spiel ziemlich in die Knie. Mein Intel 6-Core-Prozessor und die 16GB RAM reichen dicke, aber meine Radeon R9 380 ächzt heftig und mehr als 40 bis 50 fps bei mittleren Einstellungen sind einfach nicht drin. Das ist ok, mit einem drei Jahre alten Mittelklasse-Rechner aktuelle Shooter zu zocken war früher gar nicht drin, aber man sollte es halt wissen. Ein paar kleinere Bugs (unterirdisch rotierende Tiere) hab ich festgestellt, aber nix wildes. Die Dunia-Engine liefert auch hier eine solide Basis. Nur, dass gelegentlich Gegner und vor allem Tiere im Sichtfeld spawnen, verdirbt die Stimmung etwas. Mir ist die KI der Begleiter-NPCs positiv aufgefallen, allerdings mit einer Ausnahme: Sie stehen verdammt oft blöd im Weg rum.

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Story

Das Spiel scheint in den USA ziemlich Wellen geschlagen zu haben, weil der Teil jetzt dort spielt und man eine militante christliche Sekte als Gegner hat. Um das zu verstehen, muss man vermutlich militanter Christ sein, denn eigentlich ist das alles viel zu beliebig und gleichzeitig überzogen, um sich da persönlich angegriffen zu fühlen. Man schlüpft in die Rolle eines/r jungen PolizistIn, soll den Anführer der Sekte festnehmen, landet aber schließlich in einem von der Außenwelt abgeschnittenen Tal und muss den Glaubensbrüdern ihren Weltuntergang persönlich näherbringen. Arg viel komplexer ist der große Überbau nicht. Ganz open world kraxelt man durchs Gelände und trifft auf jede Menge Charaktere, die aus durchaus unterschiedlichen und witzigen Gründen diesen oder jenen Kampf gegen Joseph "der Vater" Seed führen, aber das imposante Intro lässt den Rest dann doch etwas beliebig erscheinen. Mir persönlich kommt das kleinteilige entgegen, denn ich erkunde so ein Spiel gerne, lese die absurden Notizen auch und bin zudem eh eine Zeit gewohnt, in der man Glück hatte, wenn  wenigstens der Endgegner bei Shootern einen Namen hatte. Aber die Kritiken, dass man aus dem an sich grandiosen Setting mehr hätte machen können, treffen definitiv einen wunden Punkt.

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Die Welt

Wenn die Macher von FarCry eines können, dann schöne Spielwelten bauen. Natürlich merkt man leider immer mal wieder, dass auch die aus einer Sandbox kommen und sich die Objekte alle hier und da wiederholen, aber meiner Meinung nach ist das im fünften Teil nochmal wesentlich weniger auffällig. Und selbst mit mittleren Grafikeinstellungen kann sich das sehen lassen. Die Map ist insgesamt zwar etwas dünn besiedelt, aber das verleiht dem Setting zum einen Glaubwürdigkeit und zum anderen ist die ausgedehnte Natur in FarCry ja auch wegen des Jagens und Angelns wichtig und so findet man wenigstens überall wo Gebäude stehen auch lootbare Sachen. Wobei sie da für Sammler wie mich fast schon wieder etwas übertreiben, aber irgendwie müssen es ja auch die Rusher durchs Game schaffen ...

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Neben der Kampagne

Mit FaCry Arcade wird auch ohne den DLCs ein zweiter Spielmodus angeboten, in dem man unabhängig von der Story kleine Szenarien alleine oder im Multiplayer spielen, sowie Maps erstellen kann. Dass man das an Spielautomaten innerhalb der Story machen kann, finde ich aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen eine ziemlich coole Idee. Gut, Multiplayer ist nicht so mein Ding - ich spiele wirklich gerne alleine. Aber sonst ist das eine tolle Sache, zumal die Arcade-Maps auch im Stil der DLCs kommen, welche mit Zombies, Vietnamkrieg und Mars noch mal ganz neue Umgebungen haben.

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Mein persönliches Fazit

Da für mich Open-World-Shooter die Königsklasse der Games darstellen und ich die FarCry-Reihe ohnehin sehr mag, stand eigentlich fest, dass ich das Spiel mögen würde. Schon alleine das Intro! In einem Let's-Play fiel sinngemäß der unbedingt gültige Satz "Ever asked yourself how you should start a game? THIS is how to start a game!". Die Welt und die schiere Anzahl herrlicher Charaktere ist großartig und ich bin etwas unschlüssig, ob dafür der geringe Tiefgang sogar ok ist. Zu viel Gameplay mit Charakteren, die man tiefgründig hasst, sind halt auch nicht das Wahre. Technisch werden meine niedrigen Ansprüche ums hundertfache übererfüllt, allerdings mit einem deutlichen Haken: Die Waffenphysik. Im Vergleich zu schlechten Spielen ist die immer noch grandios, aber an den Teilen 3 und 4 hab ich das Handling der Waffen geliebt, weil es etwas rauer und harscher war und nicht so beliebig. Und das sage ich als ausgesprochener Nicht-Waffennarr. Das ist mir hier zu glatt geschliffen, das hätte nicht sein müssen. Das Angeln nimmt meiner Meinung nach einen zu großen Teil im Spiel ein und die Nebencharaktere sind zum einen mau in der Mimik und zum anderen außerdem vielfach gleichaussehend. Allerdings war das schon bei FC3 so und falls da irgendwo im Spiel noch ein zynischer Spruch dazu fallen sollte (wie zu den Funktürmen), dann würde ich das gerne als Selbstironie gelten lassen. Und der Triple-A-Preis (Link zu Amazon) ist völlig ok, wenn man wie ich als Entdecker gerne mal 50+ Stunden durchs Game streift. Das mit den InGame-Käufen finde ich einen beschissenen Trend, aber es sei angemerkt, dass das in Maßen daherkommt und man von nix ausgeschlossen wird, sondern bloß mehr jagen muss, wenn man die teuren Extras (die sonst nicht spielrelevant sind) doch haben will. Das geht in Ordnung. Insgesamt würde ich eine gute zwei in Schulnoten vergeben. Pro-Gamer mögen zu anderen Ergebnissen kommen, aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass irgendwer das Spiel nach zwei Stunden zur Seite legt und grundsätzlich doof findet.

Und ebenfalls nicht vergessen werden darf, dass der Herr Baby schon etliche Stunden passiv mitgezockt hat. Das verdoppelt ja quasi die Spielzeit. ;)

Noch was am Rande: Was wirklich gar nicht geht, ist, dass die Booster-Spritzen, die man aus Pflanzen herstellt und die einem für kurze Zeit besondere Fähigkeiten verleihen, dieses Mal Homöopathika sein sollen. Sicher, es macht die Sache für Nerds etwas lustiger, aber ich fürchte, dass das ein klassischer Fall von "Wir haben Voodoo mit Medizin verwechselt, weil's cool klingt" ist. Brrr, da rollen sich mir als Skeptiker die Zehennägel hoch!

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Der Season-Pass für die DLCs steht jedenfalls jetzt schon auf meiner imaginären Wunschliste.

*Nein Leute, der Gyrokopter in FC 4 zählt nicht wirklich. Ich meine, mal im Ernst, das war für die Serie das, was für GTA der Dodo im dritten Teil war.

[Alle Bilder von Ubisoft]