Nicht die Bohne!

Ja, es geht hier tatsächlich um Bohnen. Bohnen sind toll, zumindest bin ich mir sicher, dass mir die Wikipedia da einige interessante Infos über die Nährstoffgehalte (Gehälter?) ausspucken würde, wenn ich sie mit anderem Gemüse, beispielsweise Hamburgern, vergleichen würde. Aber Bohnen sind auch eine Form der Dreifaltigkeit, bei der die meisten Menschen höchstens zwei Beteiligte gut finden. So wie Gott und Jesus sicher ein cooles Duo an der Weintheke waren, der heilige Geist aber eher so ein Eumel aus der Nachbarschaft der Kneipe, den niemand freiwillig kennenlernen mochte, weil er doch etwas creepy war.

Ich gehöre spätestens seit Entdeckung des Chilis zum Team Rot-Weiß.

Grüne Bohnen sind faserige Beilage mit bitterem Nachgeschmack, während man die roten und weißen Bohnen immer nur dann antrifft, wenn sie zumindest gefühlt fettig vollmundig legendäre Gerichte begleiten oder sogar ausmachen.

(Kleine Seiteninformation: Wusste irgendwer hier, dass im ursprünglichen Chili con Carne keine roten Bohnen waren?)

Nun waren die Bohnen eines jener Essen, die Ozie und mich in die Verzweiflung hätten treiben können, denn wir betrachteten sie beide von der jeweils anderen Warte aus:

Ich liebte weiße und rote Bohnen in unterschiedlichsten Eintöpfen und mied die grünen, wohingegen Ozies Lieblingsgemüse grüne Bohnen waren, während sie mit den anderen nur wenig anfangen konnte.

Chili con Carne - bzw. auch mal die vegane Variante - war lange Zeit der Minimalkonsens, was von Bohnen dominiertes Essen bei uns anging. Was ok war, da wir auch oft mal alleine gekocht  haben.

Und nicht falsch verstehen: Wir beide haben das jeweils andere nicht gehasst, ich hab grüne Bohnen im Gemüseeintopf immer akzeptiert und Ozie hat auch mal Baked Beans oder eben Chili mit mir gegessen.

Aber dann kam in den letzten Wochen etwas, was mich überrascht hat: Ich lernte grüne Bohnen plötzlich zu lieben. Ja: Zu lieben!

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Ich glaube, es hat mit dem Essen bei einem Italiener in Kreuzberg angefangen, bei dem ich mit Ozie und meinem Vater bei dessen Besuch in Berlin gelandet war. Ich hab ein Entrecôte (stimmt das so?) bestellt und es kam mit grünem Spargel und Bohnen. Keine Frage, ich mochte das Fleisch am meisten, aber wie so oft in den vergangenen Jahren hat auch da irgendso ein Erwachsenen-Hormon eingegriffen und mich das plötzlich gut finden lassen. Vielleicht liegt es wirklich an der Elternschaft, denn ich hab auch bisher schon gerne Dinge, die ich bisher nicht kannte oder nicht zu mögen glaubte, ausprobiert.

Seitdem bin ich eine Art Grüne-Bohnen-Schaufel und schmeiße überall noch welche hinzu. Ist das dieses Erwachsenwerden?

PS: Ozie ist ungefähr zeitgleich das selbe mit Feta passiert. Witzigerweise ein Gemüse, dem ich immer noch Vorrang vor grünen Bohnen geben würde. ;)