Falschmetaphern

Fahrerjobs bringen viele ganz eigene Probleme mit sich und eines davon ist, dass die Innenstädte zugeparkt sind und man als Lieferant wirklich ständig zum Falschparken gezwungen wird. Ich hasse diese drastische Ausdrucksweise, denn natürlich gibt es immer irgendwo eine Haltemöglichkeit, aber wenn man schwer zu tragen hat oder halbwegs flink sein muss, um alle Lieferungen loszuwerden, dann verbietet sich eine Parkplatzsuche in großem Umkreis.

Viele Läden haben keine Laderampe mehr im Hinterhof, sondern sind in Fußgängerzonen und Einkaufszentren untergebracht, bei denen meistens eine Parkraumbewirtschaftung stattfindet und man im näheren Umkreis gar keinen Halteplatz mehr findet. Und von den Kundenadressen will man an der Stelle gar nicht anfangen zu reden, hier in meinem Nebenjob-Arbeitsgebiet (wo es eigentlich meist recht ok ist) finden sich auch dutzendweise ganze Blocks, bei denen sämtliche Parkplätze an Anwohner vermietet sind.

 Kreatives Parken, hier in Stuttgart 2003. Quelle: Sash

Kreatives Parken, hier in Stuttgart 2003. Quelle: Sash

Vielfach finde ich in meinem Säbelzahnhamster-Verteilgebiet eine Möglichkeit und die Eile hält sich sehr in Grenzen, aber schwerer wird’s gerne mal. Insbesondere bei den Händleradressen. Eine, die Hauptfiliale, bei der ich einmal am Tag aufschlagen muss, ist so ein Fall. Ein großes Einkaufszentrum, oft null freie Parkplätze und großflächige Absperrungen der Plätze drum herum. Einzig eine kleine Auffahrt, die die Markthändler nutzen dürfen, bietet uns vier Fahrern etwas Platz und der Eingang ist nur 40 Meter entfernt. Mit den Marktstandbetreibern ist abgesprochen, wie wir am Markttag halten, um sie nicht zu behindern, ansonsten müssen halt während der kurzen Zeit, die jeder von uns dort hält, etwa dreißig Leute ums Auto rumgehen. Und nein, eng ist es da in keine Richtung. Wie gesagt: Am Markttag fahren da die Sprinter mit ihren Quarkkeulchen-Anhängern an uns vorbei. Aber erlaubt ist es halt auch nicht und das teilte mir der Polizeibeamte, der mir gestern umgehend gefolgt war, auch gleich mit:

“Sie haben die Fahrbahn verlassen!”

Ich weiß, wann ich ertappt bin und ich hab in dem Moment nicht die Chance gesehen, ihn aus meinem Dienstwagen hinaus mit einem “Ui, das hab ich nicht gesehen!” zu besänftigen. Also hab ich gesagt wie’s ist:

“Sorry, ich muss die Kisten da in den Laden bringen und es gibt keine bessere Option. Wir machen das immer.”

Das kann nach hinten losgehen, es ist selten eine gute Idee, sich gleich als Intensivtäter zu outen, noch bevor sie eine Akte haben, aber Menschenkenntnis und so …

Gut, das erhoffte Mitleid seinerseits habe ich nicht bekommen, aber er glaubte, in mir einen guten Zuhörer und noch erziehbaren Verkehrsteilnehmer zu sehen. Und hat sich dann bei seiner Erziehungsmaßnahme etwas verhaspelt, als er sagte:

“Wir machen das immer so ist aber nie ein gutes Argument! Wenn ich jetzt sage, ich springe immer von der Brücke, dann bringt ihnen das nämlich gar nix!”

Und ich bin ernst geblieben, damit es nicht mehr als nur die Verwarnung gibt. Aber natürlich ist mir die ganze Zeit durch den Kopf geschossen, dass mir wirklich nix besseres passieren könnte, als dass der Polizist, der sich gerade anschickt, mir einen Strafzettel auszustellen, lieber hobbymäßig von der nächsten Brücke springt.

Ich sag es wie es ist: Ich werde mich diese Woche nicht mehr dort sehen lassen in der Fußgängerzone und sie dann wieder ganz normal anfahren. Ich hab mir die Situation dort nicht ausgesucht und wäre über eine andere Lösung froh, aber inzwischen hat mir das Halten dort so viel Stress erspart (und anderen keinen gemacht), dass ich im Zweifelsfall halt die paar Euro “Sondernutzungsgebühr” bezahlen werde.